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Aller guten Dinge sind drei

Die Vereinschefin Brunhilt Reiß und Klaus Brähmig, damals Vorsitzender des Tourismusauschusses des Deutschen Bundestages, weihen 2009 am „Waldhotel am Aschergraben“ in Geising das neue Kneipp-Becken ein. Foto: Kneipp-Verein Dresden

Dresden – Sebastian Kneipp hätte Brunhilt Reiß sicherlich gerne persönlich zum 30-jährigen Vereinsgeburtstag gratuliert. Denn die ehemalige Übungsleiterin der Betriebssportgemeinschaft (BSG) leitet Dresdens Kneipp-Verein gewiss in seinem Sinne und zwar seit 11. April 1991. Frische Luft, viel Bewegung und Natur lautet hier die Devise. „Als die Mauer fiel, konnte ich meiner Tätigkeit als Übungsleiterin und Gymnastiklehrerin für Frauen nicht weiter nachgehen. Unsere Turnhalle in Dresden wurde geschlossen und die BSG aufgelöst“, erzählt die Kneipp-Vereinsvorsitzende. Eine neue Herausforderung muss gefunden werden. Sie reist mit der Familie in den ersten Westurlaub. Die Entscheidung fällt auf das Allgäu, wo Tassilo A., ein alter Schulfreund, die zündende Idee für ihre berufliche Zukunft hat.

Pfarrer Sebastian Kneipp mit Spitz im Jahr 1892. Foto: Kneipp2021, Grebmer

Die offizielle Anmeldung des ersten Kneipp-Vereins im Jahr 1897 stammt aus dem Archiv des Kneipp-Bund e.V.

Im Italienischen Dörfchen hielt er einen Vortrag mit Sprechstunde. Direkt nach seinem Besuch wurde der erste Kneipp-Verein gegründet.

Heinrich Padberg (r.) war der 1. Vorsitzende des Dresdner Kneipp-Vereins. Sein Enkel Werner Padberg (2.v.l.) übergab der Vereinsvorsitzenden Brunhilt Reiß viele Original-Protokolle.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Die ehemaligen Klassenkameraden tauschen sich beim Wiedersehen  über ihre Lebenssituationen aus. Brunhilt Reiß ist zu diesem Zeitpunkt arbeitslos. „Bewegung und Kneipp gehören doch zusammen und bei uns in Bad Wörishofen sitzt der Kneipp-Bund,“ folgert der Freund. In Bad Wörishofen wird sie tatsächlich sofort mit offenen Armen empfangen. Pläne für eine Wiederbelebung der Kneipp-Kultur in Dresden werden geschmiedet. Am 11. April 1991 gründet Reiß den Dresdner Kneipp-Verein. Es soll der 3. in Dresden sein – nach dem Krieg. Ihre ehemaligen Gymnastikschülerinnen gehören zu den ersten 18 Gründungsmitgliedern. Der Verein erhält die Erlaubnis, die Städtische Turnhalle für den Gymnastikunterricht zu nutzen. Anfangs werden 17 Kurse in der Zeitung publiziert.

Heute hat der Verein 1000 eingetragene Mitglieder und rund 1000 Nicht-Mitglieder, die den umfangreichen Veranstaltungskalender mit Sport-Kursen, Vorträgen, Wanderungen und Radtouren wahrnehmen. „Mittlerweile gehören 30 Übungsleiter und zwölf Wanderleiter mit Naturwissen zu unserem Team“, berichtet Reiß stolz. „An einer Wanderung nehmen normalerweise 20 bis 30 Personen zu einer geringen Gebühr teil. Wegen Corona dürfen derzeit leider keine Wanderungen stattfinden.“

Mit einem Wagen voller Geschichte präsentiert sich der Kneipp-Verein in Dresden auf dem Elbhangfest 2002. Mittendrin: Brunhilt Reiß (2. v.l.).
Foto: Kneipp-Verein Dresden

Neue Wege mit Kneipp

Im Unterschied zu einem Kurort mit Therapieerlaubnis kümmert sich ein Kneipp-Verein um Prävention und Gesunderhaltung. Sport, Gymnastik und gesunde Ernährung gehören dazu. Auch wenn bereits 1967 in der DDR die „Verordnung über Kurorte, Erholungsorte und natürliche Heilmittel“ erlassen wurde, müssen die Kurorte in den Neuen Bundesländern  wiederbelebt werden. Nach der Gründung des ersten Vereins reist Brunhilt Reiß häufig zu den Kollegen nach Bad Wörishofen. Schnell entstehen in ganz Sachsen sieben weitere Vereine. 1994 ruft sie den Kneipp-Bund Landesverband Sachsen e.V. ins Leben, der als Dachverband für die heute 13 Vereine fungiert. Ihre neue Aufgabe ist es, die Heilverfahren nach Sebastian Kneipp im Namen des Kneipp-Bund e.V. auf Messen und Veranstaltungen zu präsentieren. Für die Werbemaßnahmen erhält sie ein Auto und sammelt historische Utensilien wie Zinkwannen für Armbäder. Die stellen die Kneipp´schen Naturheilverfahren dar und sollen das Publikum zum Nachmachen anregen.

Kneipp bildet

Seit 2001 ist der Dresdner Kneipp-Verein anerkannter förderungsfähiger Bildungsträger. Das Konzept der Kneipp-Kitas, Schulen und Seniorenheime hat Brunhilt Reiß in Bayern kennengelernt. Sie nimmt Kontakt zu vielen sächsischen Einrichtungen auf und unterstützt bei der Suche nach Räumen und Referenten für die einzelnen Kneipp-Säulen.

Heute sind in Sachsen 46 Kitas, drei Schulen und sechs Seniorenheime (Leipzig, Schöneck und Dresden) nach den Bedingungen des Kneipp-Bund e.V. zertifiziert. Im Jahr 2012 weiht sie die neue Kneipp-Anlage mit Durchschreitebecken im Naturbad Mockritz ein. Das kalte Wasser ist mit durchgehend 10 bis 13 Grad Celsius ideal für das Kneippsche Wassertreten. Das trainiert die Gefäße und stärkt das Immunsystem nachhaltig. „Wer hätte das gedacht“, blickt Brunhilt Reiß lachend zurück. „Schon als Kind habe ich erst im kalten Bach in Mockritz gebadet und dann einen Hechtsprung in den Natursee gemacht.“ Im Mockritzer Bad hat sie 1997 eine Linde zum Gedenken an Sebastian Kneipp gepflanzt. Ein Gedenkstein erinnert seit 1998 in Mockritz an den Naturheilkundler Kneipp.

Anette Rietz

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

  • Wer war Kneipp? Das ganzheitliche Gesundheitskonzept von Sebastian Kneipp beruht auf den fünf Säulen Lebensordnung, Wasser, Ernährung, Bewegung und Pflanzenheilkunde und gehört seit 2015 zum immateriellen Kulturerbe der Unesco. Sein 200. Geburtstag wurde am 17. Mai 2021 weltweit gefeiert.
  • Gesunde Prävention ist die Grundlage für körperliche Fitness auch im Alter. Die Mitgliedschaft im Kneipp-Verein Dresden beträgt für Kinder 2 Euro/Monat, Erwachsene zahlen 5 Euro/Monat. Für Ehepaare kostet die gemeinsame Mitgliedschaft 8 Euro. Nichtmitglieder zahlen eine Aufwandsentschädigung. Kontaktinfo: Tel. 0351-2814789, E-Mail [email protected] Den Veranstaltungskalender des Dresdner Kneipp-Vereins finden Sie hier.
  • Kneipp Zuhause: Viele Veranstaltungen sind derzeit nicht zugänglich. Der Kneipp-Bund e.V. liefert hier Kneipp-Tipps für daheim.
  • Der Kneipp-Bund e.V. zertifiziert Schulen, Seniorenheime, Kureinrichtungen oder auch Kitas. Hier können Sie sich informieren. 

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