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Heute schon gelacht?

Drei lachende Frauen bei Lachyoga.
Unser Körper kann nicht zwischen echtem und bewusst hervorgerufenem Lachen unterscheiden. Beides hat eine heilsame Wirkung. Foto: Stock Adobe /Kim Schneider
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Deutschland – Schon von Weitem hört man schallendes Gelächter durch die Flure: Kichern, Prusten, Glucksen, Wiehern in an- und abschwellender Lautstärke. Etwa ein Dutzend Frauen und Männer liegen sichtlich erschöpft auf Yogamatten am Boden und lachen sich buchstäblich schlapp. Dabei hat niemand einen Witz gemacht. Es scheint fast, als ob das Lachen, das während dieser Lachyoga-Stunde erschallt, sich immer wieder selbst befeuert. Manchen kommen die Tränen, andere sind puterrot im Gesicht vor lauter Prusten. Aber das eigentlich Erstaunliche: Es ist jedem der Lachenden vollkommen egal, wie er oder sie aussieht oder sich bewegt.

Das zeigt sich bereits bei den Aufwärm-Übungen, mit denen die Stunde beginnt: Da wird ein Seehund imitiert, mitsamt fröhlichem Flossenplatschen und den typischen wiehernden Robben-Lauten, gefolgt von einem watschelnden Pinguin und einem Löwen, der die Zunge beim „Ha Ha Ha!“ weit herausstreckt und die Finger tatzengleich spreizt. Sieht komisch aus und ist es letztendlich auch. Deshalb verfällt früher oder später jeder Teilnehmer vom erst künstlichen in ein echtes Lachen. Einfach so.

Erfunden hat das Lachyoga der indische Arzt Madan Kataria im Jahr 1995. In einer sehr stressigen Phase seines Lebens entdeckte er die entspannende Wirkung des Lachens für sich – und wunderte sich nach eigenem Bekunden, warum Lachen nicht schon längst als Anti-Stress-Therapie angeboten wurde. 

In Deutschland, genauer in Hanau/Bad Soden Salmünster gibt es eine Lachyoga-Universität. Auch Dr. Madan Kataria ist dort in Seminaren zu Gast gewesen. Interessant: Jeden Mittwoch gibt’s von 13 bis 13.30 Uhr eine  aktive Mittagspause. Die appetitlichen Happen sind von Lachyogis für Lachyogis zum Nachhören gestaltet. Alle Podcasts finden Sie hier.

Lachen senkt Stresshormone

Schließlich kommt die Redensart „Lachen ist die beste Medizin“ nicht von ungefähr, wie auch wissenschaftliche Untersuchungen nahelegen: So senkt Lachen nicht nur den Anteil von Stresshormonen im Blut. Mehrere Studien fanden auch heraus: Lachen trainiert Herz und Kreislauf und wer regelmäßig lacht, senkt mittelfristig sogar seinen Blutdruck. Beim herzlichen Lachen geht der Blutdruck zwar erst einmal hoch, denn Lachen ist der reinste Sport. Jeder der sich einige Minuten lang nicht mehr einkriegen kann, ist kurz erschöpft und kann Muskelkater – speziell im Bauch – bekommen. Doch konnten die Teilnehmer einer Lachtherapie-Gruppe in einer Studie der American Heart Association ihren Blutdruck nach drei Monaten um etwa 7 mmHg senken. 

Weil Lachen so wichtig ist, gibt es in Europa den Berufsverband für Lachen und Humortraining. Er informiert nicht nur über die Lachforschung, die Gelotologie, sondern bildet Trainer aus. Lachen, das ist eine Wissenschaft für sich. Und das Beste daran: Man kann es lernen!

Übrigens: Der Berufsverband hat sich  auch mit dem Lachen für Ältere beschäftigt und das Thema „Lachen mit Senioren“ auf seiner Seite so dargestellt: Eine Studie aus Korea (2007) über Lachtraining mit Senioren belege die positiven Auswirkungen von Lachyoga auf Depression, Schlaf und Lebensqualität. Diese Form des Yogas sei zudem ganz praktisch überall ausführbar und kostengünstig noch dazu. 

Auch die Japaner sind dem Lachen auf den Grund gegangen. So deute eine Studie von 2012 darauf hin, dass regelmäßiges Lachtraining die Knochendichte signifikant verbessere.

Eine Studie aus Iran (2014) zum Thema Lachtraining unterstreicht, dass Lachen die allgemeine Gesundheit verbessere. 

Laut Bundesverband für Lachen und Humortraining veröffentlichten bereits 2010 iranische Wissenschaftlicher ihre Ergebnisse Lach-Yoga versus Gruppentrainingsprogramm bei älteren depressiven Frauen. Fazit: Für das Wohlbefinden der teilnehmenden Frauen war Bewegung genau so wichtig wie das Lachen. 

Lachtraining hilft, sich selbst zu finden

Außerdem steigert regelmäßiges Lachen die Konzentration der Abwehrzellen des Immunsystems. Fakt ist aber auch: Erwachsene lachen viel seltener als Kinder. „Grund hierfür ist, dass wir als Erwachsene in der Lage sind, uns Gedanken darüber zu machen, wie das Lachen beim Gegenüber ankommt“, erklärt die Humorforscherin und Psychologin Professor Barbara Wild.

Seit vielen Jahren erforscht Barbara Wild die Bedeutung von Humor speziell in der Psychotherapie: „Humor ist eine Fähigkeit, auch mal über sich selbst zu lachen.“ Es gehe beim Humortraining darum, sich auf etwas Spielerisches einzulassen: „Grimassen schneiden, blödsinnige Lieder singen, sich selber die Erlaubnis zu geben, sich auch mal zu blamieren.“ Auch wenn das etwas bedeutet, wie ein Seehund herumzulaufen und sich dabei vor Lachen förmlich auszuschütten: Wer nach einer Lachyogastunde selig und erschöpft nach Hause geht, hat nicht nur viel für seine Lachmuskeln und gegen den Stress getan, sondern hat auch wieder zu sich selbst gefunden.

Auch in den Alltag lässt sich Lachen viel häufiger einbinden. Stichwort: Nicht immer alles so ernst nehmen! Warum nicht in Situationen, in denen man sich sonst ärgert, einfach mal lachen? Schließlich macht Ärger die zerbrochene Kaffeetasse auch nicht wieder heil. Aber ein herzhaftes Lachen befreit, und lenkt das Leben wieder in viel entspanntere Bahnen.

Unser Lachen in Zahlen ausgedrückt

Lachender Smiley und trauriger Smiley auf einer Wippe
Lachen ist ansteckend. Allein das Geräusch lachender Menschen veranlasst das Gehirn automatisch dazu, die Gesichtsmuskeln aufs Mitlachen vorzubereiten. Foto: Stock Adobe/Fotomanufaktur JL

Wie häufig lachen wir eigentlich am Tag? Und warum trainiert ein herzhaftes „Ha Ha Ha!“ unseren Körper wie beim Sport? Hier ein paar erstaunliche Lach-Fakten:

  • Rund 400 x am Tag lachen Kinder (Studien des Lachforschers William Fry, Stanford University)
  • Nur rund 15 x am Tag lachen Erwachsene (Durchschnittswert einer Studie der University of Western Ontario)
  • 15 Minuten Lachen kann bis zu 40 Kilokalorien verbrauchen (Studie der Vanderbilt University, USA)
  • Lachen bewegt 17 Gesichtsmuskeln und rund 300 weitere Muskeln.
  • Beim Lachen kann die Lunge 3 bis 4 x so viel Gas austauschen.
  • Wir lachen 30 x häufiger in Gesellschaft als allein (Studien des Lachforschers Robert R. Provine).

Astrid Kessler, Katrin Fiedler

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

So kommt mehr Lachen ins Leben

  • Warum nicht einfach im Bus oder in der Bahn statt ernst dreinzuschauen lächeln, sich an etwas Lustiges erinnern – und sich dabei ertappen, wie man leise vor sich hin kichert!
  • Der amerikanische Humorforscher Paul E. McGhee empfiehlt, aktiv nach Witzigem im Alltag Ausschau zu halten: Dafür visuelle Hinweise in der Wohnung, im Auto, in der Tasche verteilen (z. B. Notizzettel mit der Erinnerung „Heute schon gelacht?“ oder mit einem gemalten Lach-Smiley) und sich eine bestimmte Anzahl lustiger Ereignisse (etwa fünf) zum Ziel setzen.
  • Eine Atem-Übung aus dem Lachyoga: Dreimal tief ein- und ausatmen. Beim ersten Ausatmen lächeln. Beim zweiten Ausatmen locker lochen, beim dritten Ausatmen herzhaft lachen. Wem das allein zu albern scheint, gern Mitlacher einladen.
  • Die Lieblings-Comedy, lustige Tiervideos im Internet, die Witzeseite in der Zeitung – Lach-Quellen gibt es zuhauf.
  • Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse nach finanziell geförderten Gesundheitskursen. Viele bieten auch Yoga an. Dort wiederum lohnt es sich direkt bei den Vertragspartnern nach Lachyoga zu fragen.
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