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Private Feriendomizile – Preise haben sich verdoppelt

Private Ferienwohnung oder –haus, Preise haben sich verdoppelt
Abfahrt in den Urlaub: Ein privates Feriendomizil ist die perfekte Wahl für Ferien mit der ganzen Familie. Foto: 123rf/stockbroker

Deutschland – Was macht den perfekten Urlaub mit Familie oder Freunden aus? Eine gemeinsame Reise planen und organisieren. Dabei steht nach der Pandemie vor allem auch die Privatsphäre im Mittelpunkt, stehen Ferienwohnungen und –häuser sehr hoch im Kurs. Nicht zuletzt spielt für diese Wahl auch der Anstieg von Hotelpreisen eine große Rolle.

Doch auch Ferienwohnungen sind zum Teil erheblich teurer geworden. Olaf Schannaks Ferienwohnungen im Ostseebad Zingst sind gut gebucht. „Das waren sie schon immer, durch Corona hat unsere Branche aber noch mal einen Schub erfahren“, sagt er. Die Ferienwohnungen waren in der Pandemie eine sichere Urlaubsalternative – wer wollte, konnte Kontakte auf ein Mindestmaß reduzieren. „Die Individualität wissen viele Gäste zu schätzen und haben gleich für nächstes Jahr reserviert“, so Schannak.

Er könnte also beruhigt in die Zukunft schauen, doch die Preissteigerungen und die Personalnot im Tourismusbereich bereiten auch ihm Kopfzerbrechen. Corona habe dazu geführt, dass viele Beschäftigte den Job aufgegeben haben. „Reinigungspersonal ist praktisch nicht mehr zu finden“, sagt er. Wenn doch, würden auch entsprechend hohe Preise aufgerufen. Und wie sich die Heiz- und Nebenkosten künftig entwickeln, wisse heute auch noch niemand. Trotzdem hätten Vermieter von Ferienwohnungen und -häusern vergleichsweise die besten Möglichkeiten, ihre Preise stabil zu halten, sagt Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. „Der Druck auf die Hotellerie, Gastronomie und Wellnessanbieter ist überproportional höher, denn Feriendomizile werden meist auch außerhalb der Heizperiode gebucht, sodass die Gaspreissteigerungen noch nicht so ins Gewicht fallen.“

Dennoch gibt es bei Ferienwohnungen zum Teil satte Preissteigerungen – besonders an der Ostsee, der Lieblings-Urlaubsregion der Sachsen. Nach unseren Recherchen bezahlte man für zwei Personen in den Jahren 2019 und 2020 in der Vor- oder Nachsaison auf Usedom etwa zehn Euro pro Quadratmeter und Woche. Viele ausstattungs- und lagemäßig vergleichbare Objekte verlangten diesen Preis. Im Jahr 2022 kosten die gleichen Wohnungen 20 Euro pro Quadratmeter und mehr. Auch tageweise Buchungen gibt es nicht mehr, eine Woche Aufenthalt ist das Minimum – offenbar eine Reaktion auf das fehlende Reinigungspersonal.

Wer sucht, der findet

An der Beliebtheit von Ferienwohnungen und -häusern hat das nichts geändert. Leerstand scheint hier derzeit kein Problem zu sein, wie eine Analyse von Best-Fewo zeigt – der nach eigenen Angaben größten Plattform für Ferienwohnungen und -häuser in Deutschland. In den Ferienmonaten Juli und August waren im Mai – dem Zeitpunkt der Abfrage – an Ost- und Nordsee im Schnitt nur noch zehn Prozent der Feriendomizile frei. „Auch Allgäu, Schwarzwald, Chiemgau, Eifel und Franken verzeichnen eine hohe Nachfrage“, sagt Dirk Föste, Geschäftsführer von Best-Fewo. Im Schnitt waren dort nur noch zwölf bis 16 Prozent der Ferienwohnungen und -häuser verfügbar. Für die Analyse wurden acht Millionen Such- und Reservierungsanfragen sowie gebuchte Übernachtungen ausgewertet. Der Mai sei für das Unternehmen der bisher beste Buchungsmonat gewesen, so der Geschäftsführer. Und diese gute Bilanz werde sich diesen Sommer wohl fortsetzen. Möglicherweise auch im nächsten, denn laut Buchungsportal Fewo-direkt starten viele schon jetzt die Urlaubsplanung für das kommende Jahr. So haben sich die Suchanfragen für 2023 vom Juni im Vergleich zum Vormonat mehr als verdoppelt.

Besonders beliebt seien Ferienhausstandorte wie Balearen und Istrien, im Inland Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. „Die Erfahrungen in diesem Jahr haben noch einmal verdeutlicht, dass Frühbucher aus einem viel größeren Angebot wählen können und damit deutlich bessere Chancen haben, ihr Traum-Ferienhaus zu finden“, sagt Wolfgang Pagl, Sprecher von Fewo-direkt. Auch mit Blick auf den Preis.

Die Preissteigerung sei aber vielfach nur „gefühlt“ und entstünde durch das Buchungsverhalten selbst, sagt Susanne Dopp von Expedia und Fewo-direkt. „Ferienwohnungen und -häuser mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis werden generell mit mehreren Monaten Vorlauf gebucht. Kurzfristig verfügbar sind meist nur noch große Objekte und solche mit luxuriöser Ausstattung, die natürlich ihren Preis haben.“ Langfristige Reservierungen seien also der Schlüssel für preisgünstigere Urlaubsdomizile. Laut Tobias Woitendorf ist das aber nicht die ganze Wahrheit, denn die Preise sind nicht nur von der Entwicklung der Nebenkosten, sondern auch von der Nachfrage abhängig. „Und die war in der Coronazeit überproportional hoch.“ Am preisgünstigsten bucht man seinen Worten zufolge direkt beim Vermieter, obwohl auch Buchungsportale ihren Charme hätten, „denn dort hat man den Vergleich und kann sich das günstigste Objekt aussuchen.“

Vertrauenswürdige Buchungsportale

Gute Buchungsportale sind einer aktuellen Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien zufolge Fewo-direkt.de, casamundo.de und Ferienhausmiete.de. Sie belegten die drei besten Plätze hinsichtlich Such- und Buchungskomfort, Preis-Leistungs-Verhältnis und Angebotsbreite. Tests und Analysen der Gesellschaft für Verbraucherstudien finden Sie hier.

Wer nach Schnäppchen in Buchungsportalen sucht, sollte flexibel sein, sagt Jonas Upmann, Sprecher von Hometogo: „Zum Beispiel beim Reiseziel. Oft gibt es nur wenige Kilometer von beliebten Hotspots entfernt noch freie Unterkünfte.“ Hierfür helfe es, wenn man einen bekannten Ort anwähle und die Karte als Filter verwende. Dadurch würden auch nahe liegende Orte in die Suche einbezogen. Und die seien erfahrungsgemäß günstiger. Auch Flexibilität im Reisedatum könne helfen. „Wer dort, wo es möglich ist, vom starren Samstags-Check-in abweicht, kann oft günstiger buchen.“

Preise bleiben höher

Dass Urlaub auch in Ferienwohnungen und -häusern künftig mehr kosten wird, davon gehen rund drei Viertel der von Fewo-direkt befragten 1.500 Familien aus. Die Ferienwohnung oder das Ferienhaus werden demnach auch nach der Pandemie die bevorzugte Unterkunftsart für Familienreisen bleiben. Geschätzt werden vor allem die Individualität und die Möglichkeit, mit Freunden und Angehörigen gemeinsam zu verreisen und dafür mehr Platz und Privatsphäre zu haben, als in anderen Unter­künften.

Das weiß auch Olaf Schannak aus Zingst. Er habe bereits erste Erhöhungen bei den Nebenkosten erhalten, aber noch nichts davon an seine Gäste weitergegeben. Er wolle die Preise auch nicht übermäßig anheben. „Die Urlauber müssen das ja auch mittragen können, und zu Hause haben sie ebenso mit höheren Kosten zu kämpfen“, sagt er.

Von Stephanie Wesely, Katrin Fiedler

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

Das Internet ist voller Tücken. Und damit meinen wir nicht nur, dass Sie raffiniert suchen sollten, um ein gutes Ferienhaus zu finden. Nehmen Sie sich Zeit und studieren Sie die Angebote sorgfältig. Denn auch auf Portalen von Ferienhausanbietern tummeln sich Betrüger. Worauf Sie dabei achten sollten, das lesen Sie in unserem Text „Vorsicht vor Fake-Ferienangeboten“.

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