1. Startseite
  2. /
  3. Alltagshilfen
  4. /
  5. Mit Senioren-Assistenten gegen Alterseinsamkeit

Mit Senioren-Assistenten gegen Alterseinsamkeit

Die Tätigkeit eines Senioren-Assistenten ist umfangreich: Unterhaltung und geistiger Austausch gehören ganz wesentlich dazu. Foto: AdobeStock/Robert Kneschke
Die Tätigkeit eines Senioren-Assistenten ist umfangreich: Unterhaltung und geistiger Austausch gehören ganz wesentlich dazu. Foto: AdobeStock/Robert Kneschke
Teilen:

Deutschland – Eine Hofdame war in früheren Zeiten ein hoch angesehener Beruf und nur Frauen aus dem Adel vorbehalten. So war etwa die berühmte Eisenacher Adelige Charlotte von Stein im 18. Jahrhundert eine der Hofdamen der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar. Sie blieb Anna Amalia bis zu deren Tod verbunden.

In heutiger Zeit könnte man die Senioren-Assistenz als Weiterentwicklung des Berufsbildes der Hofdamen und Gesellschafterinnen betrachten. Allerdings ist der Beruf vor allem für die Unterstützung älterer und hilfebedürftiger Menschen gedacht. Hoch angesehen und vor allem hochgeschätzt wird dieser Beruf ebenso – denn er bewirkt Gutes.

Gesellschafter gehen moderne Wege

Das recht neue Berufsbild eines Senioren-Assistenten bietet älteren Menschen die Möglichkeit, auf eine „organisierte Gesellschaft“ zurückzugreifen. Frauen und Männer, die diesen Beruf ergreifen, sehen sich dabei als besonnene Ratgeber der älteren Person, sorgen sich um ihr Wohl und verschönern ihr den Tag. Für ein angenehmes selbstbestimmtes Leben der Senioren setzt sich auch Aileen Schüppel als Seniorenassistentin in Zwickau ein. In unserem Beitrag „Zuwendung schenken ist mein Beruf“ erzählte sie SZ Lebensbegleiter aus ihrem Berufsalltag.

Seniorin und Seniorenassistentin blättern gemeinsam im Fotoalbum
Gemeinsam erinnern hilft bei Demenz. Gesprächsthemen findet die Senioren-Assistentin leicht, wenn das Fotoalbum die Lebensgeschichte in Bildern erzählt. Foto: Janine Engelmann

Senioren-Assistenz wirkt der Alterseinsamkeit entgegen

Das schönste Heim der Senioren ist die eigene Wohnung. Daher wird die selbständige Leistung der Senioren-Assistenten als Begleitung in den letzten Jahren immer häufiger in Anspruch genommen. Hauptgrund: Gesellschaftliche und familiäre Umbrüche wie ein beruflich bedingter Wegzug der Kinder, der Verlust des Partners oder der Partnerin und zunehmend unverbindliche und weniger soziale Kontakte führen bei vielen Senioren in die Alterseinsamkeit.

Diese finanzielle und soziale Unterstützung steht Senioren zu

Bei Senioren mit Pflegegrad (ab 2) besteht auf dem Grundsatz der Verhinderungspflege Anspruch auf Vergütung der Leistung durch die Pflegekasse. Die Verhinderungspflege gehört zum Leistungskatalog der Pflegeversicherung und beinhaltet den Anspruch für den Einsatz einer vorübergehenden oder zeitweisen Ersatzpflegeperson – eben eines anerkannten Senioren-Assistenten oder Alltagsbegleiters. Diese „Ersatzpflege“ entlastet Angehörige und Pflegekräfte und bringt eine schöne Abwechslung in den oft immer gleichen Tagesablauf bei Menschen mit Pflegegrad.

Bereits mit Pflegegrad 1 haben Senioren bei ambulanter Pflege einen Anspruch auf eine Entlastungsleistung von monatlich 125 Euro, wenn die Assistenten oder Begleiter eine anerkannte Ausbildung von mindestens 40 Stunden vorweisen können. Hierbei handelt es sich um eine zusätzliche finanzielle Leistung der Pflegeversicherung, wenn die Senioren zu Hause gepflegt werden.

Ute Büchmann erhielt 2019 den „Zugabe-Preis“ der Körber-Stiftung für Gründerinnen und Gründer 60plus. Foto: Körber-Stiftung

Das Ausbildungskonzept nach dem Plöner Modell

Ute Büchmann hat als kommunale Frauenbeauftragte im Kreis Plön im Jahr 2006 das Berufsfeld der qualifizierten Senioren-Assistenz entwickelt und 2007 das Familienunternehmen Büchmann/Seminare KG gegründet.Neben fachlichem Wissen wird in den Büchmann-Seminaren vor allem auch das nötige Know-how für die Selbstständigkeit vermittelt.

„Ich habe immer wieder festgestellt, dass Personen mit ähnlichen Kurzausbildungen von nur 40 Stunden später gecoacht werden möchten, weil die kurze Ausbildung nicht über fachliche Themen zur späteren Selbständigkeit im sozialen Bereich informiert. Unsere Ausbildung beinhaltet daher 120 Stunden. Neben steuerrechtlichen und versicherungstechnischen Themen, bieten wir den Auszubildenden auch Informationen zu aktuellen Aspekten wie Sicherheitsberatung bei Senioren (Enkeltrick, Haussicherheit etc.) oder zur Abrechnung der Pflegeversicherung an,“ erklärt Ute Büchmann SZ Lebensbegleiter.

Hier finden Sie Senioren-Assistenten

Im Rahmen des von Ute Büchmann entwickelten Konzepts der Senioren-Assistenz „Plöner Modell“ wurden mittlerweile rund 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgebildet. Büchmann ist ebenfalls Gründungsmitglied der 2013 in Berlin entstandenen Bundesvereinigung der Senioren-Assistenten Deutschland e.V. (BdSAD).

Das noch recht neue Berufsbild der Senioren-Assistenz wirkt der Isolation entgegen. Die Ausbildung wird auch von rüstigen älteren Menschen in Anspruch genommen. Denn bei dieser Form der Assistenz gibt es keine Altersbegrenzung. Sie haben weniger den Betreuungs- bzw. Pflegeaspekt im Blick als vielmehr das gesellschaftliche Miteinander. Dazu zählen Theater- und Museumsbesuche, gemeinsame Unternehmungen und Vorleseabende. Ein wichtiger Weg gegen die Alterseinsamkeit.

Das Team von Ute Büchmann stellt über das Vermittlungsportal für Seniorenassistenten in Deutschland kostenlos die Kontakte zur Verfügung.

Anette Rietz

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

Sie kennen Jemanden, der sich für die Ausbildung als Senioren-Assistent interessiert oder möchten selbst Senioren-Assistent werden? Hier einige Informationen zu den Seminaren der Büchmann/Seminare KG nach dem „Plöner Modell“:

Die vier- bis sechsmonatige Ausbildung in der Senioren-Assistenz hat ihren Schwerpunkt in der mentalen Betreuung der Älteren im häuslichen Bereich.

Während der Ausbildung nach dem „Plöner Modell“ werden die Teilnehmenden auf die unterschiedlichen Facetten des Alters vorbereitet und absolvieren zusätzlich ein Selbstständigkeitstraining, um für die Existenzgründung im sozialen Bereich vorbereitet zu sein. Hierauf sollte bei der Wahl der Ausbildung geachtet werden, damit dem Scheitern vorgebeugt wird.

Die Seminare finden in Präsenz in Leipzig, Kiel, Norderstedt, Hamburg, Nürnberg und im Raum Düsseldorf/Leverkusen statt.

Die Daten für die nächsten Seminare finden Sie online.

Weitere Informationen über das Berufsbild und die Ausbildung finden Sie auf der Webseite „Senioren Assistenz.“

Teilen:

Das könnte Sie auch interessieren

^