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Matthias Gräfe mit Wein
Matthias Gräfe präsentiert seinen Rosé "Von Hier". Foto: Ulrich van Stipriaan

Ein Rosé – von hier

Sitzen eine Touristin und ein Tourist draußen in Radebeul vor dem „Wein & fein“ und fragen die freundliche Bedienung nach einem Wein. Die Auswahl ist groß, ca. 500 Positionen, davon über 20 im offenen Ausschank. Also beginnt ein kurzer Dialog über Vorlieben – was man so erfragt beim ersten Mal: rot – weiß – rosé? Trocken oder eher nicht so? Wer Wein trinkt, kennt das. Aber besonders die Touris drehen das Fragespiel gerne um: „Haben Sie was von hier?“

„Aber ja doch!“, antwortet die Bedienung prompt – und bringt eine Flasche Rosé: „VON HIER“ steht drauf – und er ist in der Tat sehr von hier, denn Matthias Gräfe hat den Wein zusammen mit seinem Freund und Winzer Andreas Kretschko gemacht. Der Rosé ist eine Cuvée und bringt den klassischen Spätburgunder mit der Neuzüchtung (naja, neu: aus dem Jahr 1967…) Regent zusammen. 

„Die Einstiegsspätburgunder haben alle eine wunderschöne Frische gehabt, eine schöne Säure“, erläutert Matthias Gräfe. In seinem vom Genussmagazin falstaff als  beste „Weinbar in einer Vinothek“ ausgezeichneten Weinfachhandel und Bistro bietet er schon seit langem Weine an, die er zusammen mit Winzern macht. Wie so etwas geht, wollte ich wissen: einen Wein machen? Es ist ein langer Prozess, erfahre ich: „Ende November beginnend probieren wir alle Weine im Keller von Andreas Kretschko einmal im Monat durch“, berichtet Gräfe. 

Der Winzer bekommt bei den Gesprächen Inspiration und Anregungen. Und der Freund und Weinhändler merkt immer wieder, wie viele kleine Stellschrauben auf seinem Weg von der Gärung bis zur Abfüllung tatsächlich von Nöten sind, um den Wein so hinzubekommen, wie er sein soll. Cuvées – also das Zusammenbringen mehrerer Weine – sind Gräfes Steckenpferd. „Was könnte man als Partner nehmen? Welcher Wein schafft es, dem einen Hauptpartner noch eine andere Dimension, eine andere Tiefe, eine andere Fruchtbarkeit zu geben?“

Der Rosé ist bewusst nicht so ein Primärfruchtding. Will heißen: Dir fallen nicht sofort die klassischen Begriffe ein, also kein „Hach: Erdbeere, oh: Himbeere!“ Natürlich sind auch diese Aromen spürbar, aber eher so im Nachhall, also so auf den zweiten, dritten Luftzug. Und weil das so ist, passt der Rosé prima zur Sommerbratwurst, geht auch gut mit einer Pizza zusammen. 

Aber dieser Rosé ist ganz bewusst als Langläufer konzipiert, also über den Sommer hinaus bis in den Herbst und Winter. Denn wer Rotwein nicht verträgt, weil er (oder sie) die Tannine, also die Gerbsäuren, nicht verträgt, kann zur Herbst- und Winterküche definitiv mit einem guten Rosé punkten, der Anklänge von einem Rotwein hat. So wie der VON HIER, der sehr erwachsen, sehr vollmundig ist, obwohl er nur 11,5 % Alkohol hat.

Der Rosé VON HIER ist nicht das erste Gräfe-Projekt. Das gab es nämlich schon Ende der 1990er Jahre zusammen mit dem Winzer Gunter Hiestand aus Rheinhessen – und der Wein hieß „Ein schöner trockener Weißwein“. Nur gut, vor allem fürs der Region verbundene Personal, dass es die beiden Editionen nicht zusammen gibt. Denn eine Frage wie „Wollen Sie gerne einen schönen trockenen Weißwein oder lieber was von hier?“ könnte doch zu Irritationen führen…

2023 Rosé VON HIER, Kretschko & Gräfe, Sächsischer Landwein. Nur bei Wein&fein in Radebeul für 18,50 €.

Unser Autor Ulrich van Stipriaan ist bekennender Genussmensch. Seine profunde Weinkenntnis ist im Podcast „Auf ein Glas“ zu hören. Ebenfalls unter stipvisiten.de finden sich Reiseberichte, Restaurantkritiken, Beiträge über Wein und Winzer.

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