Versicherung ab 60 – was passt für mich?

Versicherung ab 60
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Versicherung ab 60 – was passt für mich?

Lebenssituationen können sich verändern. Deshalb lohnt es sich, die Versicherungen regelmäßig zu überprüfen. Die Verbraucherzentrale Sachsen hilft beim Check. 

Versicherung ab 60
Je nach Lebenssituation lohnt es sich, alle Versicherungen regelmäßig zu prüfen. Foto: goodluz

Leipzig – Das Angebot der Versicherungsverträge ändert sich im Laufe der Jahre. Einen guten Überblick über die abzusichernden Risiken bieten die SZ-Vorsorgeordner „Mein Leben geplant“ und „Meine Vorsorge“.
Wussten Sie, dass alleinstehende Personen, die bei ihren Kindern leben, im Familien-Tarif mitversichert werden können? Oder: Eine günstigere Police kann oftmals sogar eine bessere Leistung bieten. 

 

SZ-Lebensbegleiter fragte bei der Verbraucherzentrale Sachsen nach, welche Versicherungen für Menschen ab 60 empfohlen werden.  Die Verbraucherzentralen in den 16 Bundesländern bieten Beratung und Information zu Fragen des Verbraucherschutzes. Weiterhin helfen sie bei Rechtsproblemen. Die Zentrale in Sachsen vertritt die Verbraucher auf Landesebene.

Andrea Heyer ist Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Sachsen

Gibt es eine Versicherung, die im Alter besonders wichtig ist? 

Die Privathaftpflichtversicherung ist in jedem Alter ganz besonders wichtig. Stellen Sie sich vor, Sie gehen unachtsam über die Straße und ein Fahrradfahrer stürzt dadurch so schwer, dass er bleibende gesundheitliche Schäden zurückbehält. Dieser Schadenersatz  kann in aller Regel nicht aus eigener Tasche bezahlt werden. Dafür ist die Privathaftpflichtversicherung da. 

Im Alter steigen die Unfallrisiken. Welche Absicherung sollte unbedingt in der Unfallversicherung enthalten sein und bis zu welchem Lebensalter greift sie? 

Bei Unfällen mit bleibenden Schäden kann die private Unfallversicherung die finanziellen Folgen des Unfalls mildern. Die Vielzahl der unfallbedingten Invaliditätsgrade liegt in einem Bereich von unter 20 Prozent. Zur Auszahlung kommen dann also nur bis zu 20 Prozent der vereinbarten Grundsumme. Wichtig ist es deshalb, diese, also die Invaliditätssumme, im Vertrag ausreichend hoch zu vereinbaren. Dann kann auch auf die Wahl einer teuren Progression und Dynamik verzichtet werden. Weitere kostenpflichtige Nebenvereinbarungen wie etwa Krankenhaustagegeld sind in der Regel nicht sinnvoll. Spezielle Seniorentarife sind nicht unbedingt besser. 

Ist eine private Zusatz-Pflegeversicherung empfehlenswert und ab welchem Alter?  

Hinsichtlich einer Empfehlung zu einem solchen Vertrag scheiden sich die Geister. Wer in jungen Jahren zu günstigen Prämien eine solche Versicherung abschließt, zahlt in der Regel über Jahrzehnte in die Versicherung ein, ehe eine Leistung – manchmal nur für eine kurze Zeit – aus dieser beansprucht werden kann. Erst im Seniorenalter abschließen funktioniert aber auch nicht, weil dann entweder die Prämien unbezahlbar geworden sind oder der Versicherer auf Grund des Alters mit dem Verbraucher keinen Vertrag mehr schließt. Von den verschiedenen privaten Pflegezusatzversicherungen kommt unseres Erachtens am ehesten die Pflegetagegeldversicherung in Betracht, da die Betroffenen hier die höchste Flexibilität im Umgang mit der Versicherungsleistung haben. Und es sollte darauf geachtet werden, dass bei Demenz, ab Pflegegrad 1 und bei häuslicher Pflege Leistungen vorgesehen sind. Es solltaber immer auch geprüft werden, ob finanzielle Vorsorge nicht auch mit Geldanlageprodukten betrieben werden kann. 

Ist eine Hausratversicherung in einer Mietwohnung oder im Pflegeheim empfehlenswert und was sollte an Schutz inbegriffen sein?

Im Laufe eines Lebens nimmt der Wert des Hausrats grundsätzlich stark zu. Sofern man im Falle eines Falles, also etwa nach einem Brand, nicht genügend Vermögen hat, um sich einen adäquaten Hausrat neu anzuschaffen, empfiehlt sich eine Hausratversicherung. Bei einem Umzug in ein Pflegeheim muss im Einzelfall individuell geprüft werden, ob es sinnvoll ist, den Vertrag – etwa wegen der Außenversicherung –  aufrecht zu erhalten. 

Welche Versicherungen kann ich ab Eintritt des Rentenalters unbesorgt kündigen? 

Berufsunfähigkeits- und Krankentagegeldversicherungen bedarf es dann nicht mehr. Generell empfiehlt sich auch mit Renteneintritt ein Policencheck – denn oft existieren schon lange noch andere entbehrliche Versicherungen, wie etwa Elektrogeräte- und Handyversicherungen, Kreditlebens-, Rechtsschutz-, Reisegepäck-, eventuell die Vollkaskoversicherung.

Habe ich prinzipiell die Möglichkeit, meine abgeschlossenen Versicherungen bei der Verbraucherzentrale prüfen zu lassen und wie hoch sind die Gebühren für diesen Service? 

Die Verbraucherzentrale Sachsen berät sowohl zu einzelnen Versicherungsfragen, übernimmt aber auch gern einen ganzen Versicherungscheck aller bestehenden Versicherungsverträge. Das Beratungsentgelt richtet sich nach dem Umfang der Beratung. Die Entgeltliste befindet sich auf unserer Internetseite Unsere Beratung im Überblick | Verbraucherzentrale Sachsen (verbraucherzentrale-sachsen.de)  auf der man sich auch selbst den Wunsch-Beratungstermin buchen kann.   

 Das Gespräch führte Anette Rietz.

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Veröffentlicht am: 31 Mrz 2021