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Der Demenz vorbeugen? Leider wird das allzu oft vergessen…

Wenn die Erinnerungen verblassen, wird das Gemüt traurig. Oftmals ist dann eine Kommunikation sehr schwierig. Foto: StockAdobe/Gabriele Rohde

Dresden – Oft wird das Thema zu lange verdrängt, werden Therapien zu spät begonnen. Dabei helfen sie, das Voranschreiten von Demenz zu verlangsamen. Nächste Woche findet bundesweit die Woche der Demenz statt. Bereits heute gibt es in Sachsen Auftaktveranstaltungen, zum Beispiel im Albertinum Dresden und im Kino Metropol in Chemnitz. Eine Botschaft soll unters Volk: Man kann der Krankheit vorbeugen – und sollte es auch tun!

Kommende Woche werden mehr als 170 Angebote und Veranstaltungen im Freistaat zum Thema Demenz geboten. Auch Hanna Wagner wird drei Vorträge halten. Die Bereichsleiterin der Beratungs- und Begegnungszentren des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) in Dresden sagt: „Demenz ist vermeidbar!“ Dabei bezieht sich die 34-Jährige auf wissenschaftliche Untersuchungen. „Sie haben ergeben, dass 40 Prozent aller weltweiten Demenzerkrankungen vermeidbar sind“, sagt Wagner. Das habe sie sich näher angeschaut. Auch sie habe das schwierige Thema lange gemieden. Doch 2020, während ihres Masterstudiengangs zur angewandten Gerontologie, widmete sie sich den Frauen, die etwa zu zwei Dritteln von der Erkrankung betroffen sind. Depression, Vererbung, Rauchen, Übergewicht, wenige soziale Kontakte, Bluthochdruck oder Diabetes, für eine Demenz gibt es viele Risikofaktoren. Umso älter die Menschen werden, desto hoher ist die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken. „Wir haben alle Angst vor Demenz, weil wir oftmals nicht wissen, wie wir vorbeugen können“, sagt Hanna Wagner. Doch als sie während ihres Masterstudiums 350 Forschungsarbeiten ausgewertet hatte, war ihr schnell klar: „Vorsorge ist kein Hexenwerk“. Hanna Wagner bezieht sich dabei gerne auf die zwölf Risikofaktoren, wie sie vermeidbar sind und wie einer schweren Demenz entgegengewirkt werden kann. Die Bereichsleiterin der ASB-Beratungs- und Begegnungszentren vertraut auf die Ärzte, die aufklären und trägt das Thema selbst in die Öffentlichkeit. Während der Woche der Demenz wird sie dazu Vorträge halten. Die Termine dazu finden Sie unter asb-dresden-kamenz.deDas sachsenweite Programm steht auf landesinitiative-demenz.de

Hanna Wagner hat die Theorie erforscht. Aber auch in der Praxis erfährt die Bereichsleiterin der Beratungs- und Begegnungszentren des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) in Dresden viel über das Thema Demenz. Foto: Thomas Türpe

12 Risikofaktoren (und wie man sie minimieren kann)

Alzheimer als die häufigste Demenzform wird schon lange weltweit erforscht. Zwar gibt es nach wie vor nicht die eine „wirksame Pille“, die eine Erkrankung definitiv ausschließt. Fachleute gehen aber davon aus, dass sich das Risiko, an Alzheimer (und auch an anderen Demenzarten) zu erkranken um bis zu 40 Prozent reduzieren lässt, wenn man folgende zwölf Risikofaktoren gezielt angeht.

Bewegungsmangel

Das Sofa ist Ihr bester Freund? Lieber nicht! Wer sich regelmäßig bewegt, tut nicht nur seinem Herz-/Kreislauf-System Gutes, sondern minimiert auch das Risiko einer Demenzerkrankung. Überhaupt scheint eine gute Durchblutung ein wichtiger Schlüssel zu sein, um Alzheimer zu vermeiden.

Kopfverletzungen

Natürlich handelt sich niemand freiwillig eine Verletzung ein. Noch besser aber wäre es, sich bewusst vor Kopfverletzungen zu schützen. Zum Beispiel durch das Tragen eines Fahrradhelms, das Vermeiden von Stürzen im Haushalt (nicht mit Schlappen auf die Leiter) und so weiter.

Übermäßiger Alkoholkonsum

Nicht nur unter Moralaposteln hat sich herumgesprochen, dass zu viel Alkohol die Gesundheit nicht gerade verbessert. Nichts gegen Geselligkeit und ein paar Feierabendbierchen, aber bitte nicht übertreiben!

Feinstaubbelastung

Wer beruflich oft Feinstaub ausgesetzt ist, sollte sich mit Masken oder Filtern schützen. Ist die Luft durch eine bestimmte Wetterlage oder z. B. zur Erntezeit stark belastet, sollte man auf anstrengende Tätigkeiten im Freien verzichten. Wer an einer viel befahrenen Straße wohnt, sollte nach hinten raus und nicht zur Hauptverkehrszeit lüften. Fußgänger und Radfahrer sollten Nebenstraßen nutzen.

Mangelnde Bildung

Tja, tatsächlich scheint auch das ein Faktor zu sein. Zum Glück hindert einen niemand daran, seine grauen Zellen mit einem guten Buch oder Rätselheft regelmäßig anzustrengen. Zum Trost: Auch Professoren sind nicht vor Alzheimer gefeit.

Übergewicht

Schon klar: Wenn abends die Schokolade lockt, sind gute Vorsätze vergessen. Das geht vielen so. Wer aber deutlich zu viele Pfunde mit sich rumschleppt, schädigt nicht nur Herz und Gelenke, er erhöht auch sein persönliches Demenz-Risiko. Tipp: Wer in der Gruppe fastet, bleibt länger stark. Oft helfen auch Krankenkassen mit Ratschlägen zu mehr Bewegung oder einem anderen Essverhalten.

Bluthochdruck

Manche wissen gar nicht, wie hoch ihr Blutdruck ist. Andere reden sich gerne ein, „das wird schon wieder“. Und wenn nicht? So unerquicklich die Aussicht auf tägliches Tablettenschlucken auch sein mag: Die allermeisten Mediziner raten bei anhaltend erhöhtem Blutdruck dazu, diesen auch mit Medikamenten zu senken. Tipp: Regelmäßig den Blutdruck kontrollieren, daheim oder beim Arzt, und Letzteren nach Lösungen fragen.

Eingeschränkte Hörfähigkeit

Dieser Punkt erschließt sich Laien nicht sofort. Trotzdem: Auch ein schlechtes Hörvermögen wurde als Risikofaktor in puncto Demenz ausgemacht. Sie verstehen die Leute in ihrem Umfeld schlecht, müssen den Fernseher immer lauter drehen? Lassen Sie sich eine Überweisung zum Ohrenarzt geben. Und ziehen Sie im Zweifelsfall ein Hörgerät in Betracht. Die sind mittlerweile so klein, dass sie fast im Ohr verschwinden.

Rauchen

Nun ja, zu dem Thema wurde eigentlich schon alles geschrieben. Lungenkrebs, Herzinfarkte, Raucherbein – es gibt wenig, was die Zigarette nicht „kann“. Auch beim Alzheimer-Risiko redet der Glimmstängel ein böses Wörtchen mit. Müssen wir extra betonen, dass das Aufhören immer hilfreich ist? Nein? Dann ist es ja gut …

Diabetes

Die Neigung zu Diabetes ist vererbbar. Trotzdem spielen Essverhalten und mangelnde Bewegung eine große Rolle dabei, ob die Krankheit auch ausbricht. Damit ist schon geklärt, wie man am besten vorbeugt: mediterrane Küche, wenig Süßes, besser keine Fertigprodukte, ausreichend Sport. Und wenn man schon Diabetiker ist? Hält man sich am besten präzise an die Tipps vom Hausarzt – so schwer es auch fallen mag.

Depressionen

Ein wahrhaft trauriges Thema mit einer Vielzahl an Ursachen. Aber auch eines, das heute so akzeptiert wie verbreitet ist. Wichtigster Rat an Betroffene: Suchen Sie so schnell wie möglich Hilfe. Die Behandlungsmethoden, egal ob Gruppen-, Gesprächs- oder medikamentöse Therapie, haben sich in den vergangenen Jahren ständig verbessert.

Mangel an sozialen Kontakten

Gerade bei Älteren oder nach einer Trennung kann sich leicht Einsamkeit breitmachen. Dann ersetzt der Fernseher oft das abendliche Gespräch. Tipp: Schauen Sie, welche Vereine oder Veranstaltungen es in ihrer Gemeinde gibt. Gehen Sie ruhig auch alleine ins Theater oder Kino, vielleicht treffen Sie dort ja auf Bekannte? Und warum nicht einfach mal bei der Schulfreundin von damals anrufen? Meist wird so eine Kontaktaufnahme dankbar aufgenommen – probieren Sie es aus!

Katrin Fiedler

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

Zahlen & Fakten

• Etwa 1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Demenz. Darunter sind etwa doppelt so viele Frauen wie Männer, was aber eher daran liegt, dass Frauen älter werden und Demenz vor allem im Alter auftritt.

• Alzheimer ist mit einem Anteil von 60 bis 65 Prozent die häufigste Demenzform. Es folgen die gefäßbedingten oder „vaskulären“ Demenzen (20 bis 30 Prozent). Bei etwa 15 Prozent liegt eine Kombination beider Erkrankungen vor. Andere Demenzformen finden sich nur bei 5 bis 15 Prozent der Erkrankten.

• Demenzerkrankungen kündigen sich schleichend an und steigern sich dann in ihrer Intensität.

• Für die meisten Demenzerkrankungen gibt es noch keine Therapie, die echte Heilung verspricht. Trotzdem sollte man erste Anzeichen nicht verdrängen, denn mit einer Behandlung lassen sich die Symptome oft verbessern und der Krankheitsverlauf kann abgemildert werden. Darum: Im Zweifel mit dem Hausarzt sprechen!

Lesen Sie zum Thema auch unsere Artikel „Dresdner Professor kämpft gegen Demenz“ und „Spielen, Lachen und Bewegen“.

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