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Einsam? Oder nur schlecht vernetzt?

Wer allein ist, wird nicht gut von trüben Gedanken abgelenkt. Ein gut gefüllter Alltag und soziale Kontakte helfen. Foto: vicspacewalker
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„Manchmal kommt es vor, dass ich den ganzen Tag mit niemandem spreche,“ wer hat diesen Satz nicht schon mal von seinen Mitmenschen gehört? Oft sind der Einkauf oder der Arztbesuch die einzige Gelegenheit, mit Menschen in Kontakt zu kommen. 

Wenn Freundinnen und Freunde von früher fast alle außerhalb leben, bleibt oft nur das Telefon, um in Verbindung zu bleiben. Einsamkeit und fehlender körperlicher Kontakt können die Stimmung herunterziehen und führen bis hin zu depressiven Symptomen oder Angstzuständen. 

Nicht jeder hat gelernt, gut mit dem Alleinsein umzugehen. Hilfe anzunehmen oder Begegnungsstätten aufzusuchen, dazu sollte man bereit sein. Und wenn man sich selbst unter Menschen allein fühlt? Wenn Essen kochen für einen  allein sich genauso wenig lohnt, wie ein Besuch einer  Veranstaltung? Dann sind diese Gedanken ernste Warnzeichen. Einsamkeit droht.

Dabei suchen viele Menschen Kontakt, sei es auch nur, um einander zu helfen oder gemeinsam etwas zu unternehmen, weil der Partner oder Freunde für ihre Hobbys kein Interesse zeigen. Wir alle haben Fähigkeiten, die ein anderer Mensch vielleicht gut gebrauchen kann.

Um die Ecke gedacht

Der erste neue Kontakt kann schon in der nächsten Straße auf Sie warten:  Nachbarschaftsnetzwerke helfen, unkompliziert miteinander in Kontakt zu treten und sich gegenseitig zu unterstützen. Sie müssen sich nur anmelden über Ihr Smartphone oder einen Computer und nicht mal den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme unternehmen. Langsam können Sie den Aktionsradius erweitern. Von Haushaltshilfen, Handwerkern bis zu Gartenarbeit, Lese- oder Spielkreisen ist hier alles zu finden. Selbst Gegenstände, die Sie selbst nicht mehr brauchen, werden über solche Netzwerke verschenkt oder verkauft. Des Gute daran: Auch Aufräumen und Entsorgen motiviert zu einem positiven Lebensgefühl und gemeinsam macht das Spaß. So vereint etwa das digitale Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de rund 1,6 Millionen Nachbarinnen und Nachbarn generationsübergreifend miteinander. Allein 80.000 Mitglieder sind in Sachsen aktiv. Hier können sich auch ältere Menschen vernetzen, gemeinsam etwas unternehmen oder sich als Leihoma oder Leihopa in der Nachbarschaft anbieten. Die wahre Begegnung findet dann im realen Leben statt.

Alleinsein – es betrifft uns alle

Corona zwingt uns verstärkt zum Alleinsein. Auch als Paar oder in einer Wohngemeinschaft kann irgendwann der Austausch fehlen. Mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben, hilft, sich seelisch über Wasser zu halten, auch wenn wir auf Mimik und eine Umarmung derzeit größtenteils verzichten müssen. Wer mehr als nur allein, also einsam ist, dem fehlt  der Kontakt zu anderen Menschen und das Gefühl der Zugehörigkeit. Hier können wir selbst Abhilfe schaffen, wenn wir das Alarmsignal erkennen. Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung, also schnell zum Hörer greifen und telefonisch Kontakt suchen. Spaziergänge in der Natur, ein gutes Buch oder ein neues Hobby sind hilfreich, um dem Alltag einen Sinn zu geben und die Einsamkeitsgefühle zu lindern. Nicht vergessen: Warme Sonnenstrahlen und frische Luft steigern das Wohlbefinden und das Immunsystem!

Was tun bei körperlicher Einschränkung?

Wer im Pflege- oder Seniorenheim wohnt, muss derzeit auf den gewohnten Besuch größtenteils verzichten. Menschen ohne Familienanschluss können auf zahlreiche Möglichkeiten der Unterstützung durch Besuchsdienste gemeinnütziger Einrichtungen wie Johanniter-Unfall-Hilfe, Caritas, den Malteser Hilfsdienst zurückgreifen, oder den Verbund von Ehrenamtlichen, die sich gerne um andere Menschen kümmern. Bei Gesprächsbedarf steht die Hotline der Telefonseelsorge zur Verfügung, um erste Kontakte zu knüpfen und Hilfe zu suchen.

Speziell in Sachsen haben sich im Rahmen der Corona-Pandemie Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser Hilfsdienst in Kooperation mit dem Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt unter dem Namen Team Sachsen zusammengeschlossen, um Hilfe anzubieten. Freie und ungebundene Helfer dürfen sich hier melden, um ihre Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Schulungen bereiten die Ehrenamtlichen auf Ihre Tätigkeiten vor, darunter auch Kurse für Hygiene- und Desinfektionsregeln.

Hätten Sie’s gewusst?

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend setzt sich gegen Einsamkeit im Alter ein, denn Einsamkeit ist ein vielschichtiges Problem mit unterschiedlichen Ursachen, das schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann. Im Jahr 2020 wurden hierzu seitens des Ministeriums Modellvorhaben gestartet, die die Teilhabe Älterer an Angeboten im örtlichen Nahraum stärken soll. Außerdem fördert das Bundesseniorenministerium aktuell bundesweit rund 530 Mehrgenerationenhäuser mit dem Bundesprogramm „Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander“. Es sind Begegnungsstätten für Jung und Alt, die unter anderem das selbstbestimmte Leben im Alter fördern.

Der vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) durchgeführte Deutsche Alterssurvey (DEAS) zeigt in seiner repräsentativen Langzeitstudie (1996-2017) die Untersuchungsergebnisse einer Umfrage zwischen Frauen und Männern in Deutschland zwischen 40 und 90 Jahren zu Lebenssituationen und Alternsverläufen. Die Studie ist im April 2019 veröffentlicht worden und auf der Webseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFJS) nachzulesen. Bezogen auf Einsamkeit und soziale Isolation  geht aus der Studie hervor, dass sich das Isolationsrisiko in der zweiten Lebenshälfte steigere. Im mittleren Erwachsenenalter zwischen 40 und 60 Jahren seien Männer etwas häufiger einsam als Frauen. Wobei der Geschlechterunterschied mit steigendem Alter abnehme und sich im Verlauf des Rentenalters umdrehe, so dass im hohen Alter mehr Frauen als Männer einsam seien. Mit 90 Jahren haben Frauen ein Risiko von 14 Prozent einsam zu sein, Männer hingegen ein Risiko von neun Prozent.

Das Bundesministerium fördert derzeit eine Hochaltrigenstudie D80+, da für diese Altersgruppe wenig wissenschaftliche gesichert Daten vorliegen. Mit dieser Studie werden auch pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Demenz und Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen erreicht. Die Ergebnisse sind im Jahr 2022 zu erwarten.

Anette Rietz

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

  • Die Telefonseelsorge bietet Beistand per Telefon und Chat unter Telefon: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 und im Internet telefonseelsorge.de.
  • Wenn Sie nicht wissen, wie Sie aus einer Depression herauskommen, dann wenden Sie sich an die Deutsche Depressionshilfe. Sie vermittelt Anlaufstellen für Ihre Krisensituation. Telefon: 0800 33 445 33, und im Internet.
  • Das Hilfetelefon Silbernetz für Menschen ab 60 ist unter der kostenlosen Rufnummer 0800 4 70 80 90 anonym zwischen 8 und 22 Uhr zum Reden für Sie da, freiwillige SeniorInnen-Freund*innen können sich für eine Aufnahme im Team bewerben (silbernetz.org).
  • Wer Nachbarschaftshilfe sucht, findet diese auf der Internetseite nebenan.de.
  • Speziell in Sachsen können Sie das Team Sachsen per E-Mail: [email protected]) kontaktieren, wenn Sie Hilfe anbieten oder anfordern möchten.
  • Ansonsten gilt: Fragen Sie bei Ihrer Stadtverwaltung nach dem entsprechenden Angebot in Ihrem Ort, da viele Hilfsangebote privater Natur sind.
  • AOK Plus Helden  - das neue Portal bringt Hilfesuchende und Helfer zusammen (plushelden.de).
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