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Eine weiße Feder liegt auf schwarzem Grund, Bildauswahl für sz-lebensbegleiter, Totensonntag
Am 26. November 2023 ist Totensonntag. Dann gedenken wir der Verstorbenen. Tipp: Wer sein „letztes Fest“ gemeinsam mit seinen Nächsten plant, kann sich leicht wie eine Feder fühlen und nimmt Angehörigen eine Last. Foto: StockAdobe/jd-photodesign

Auf der Suche nach dem perfekten Grab

Dresden – Es schien ein Tag wie jeder andere zu sein. Doch ein kurzes Telefonat mit meinen Eltern ließ mich in den Hörer lauschen. Sie wirkten etwas niedergeschlagen, waren in Eile. Nun, ich ließ nicht locker und erfuhr: „Wir gehen auf den Friedhof.“ „Dazu habt ihr doch noch Zeit“, versuchte ich zu scherzen. Schnell war klar, dass ich mir mit diesem flapsigen Spruch nur selbst Mut zusprechen wollte. Denn Endlichkeit will ich nicht akzeptieren. Nicht umsonst liebe ich Märchenfilme und fiebere bei der Suche nach dem Wasser des ewigen Lebens tüchtig mit. Auch tröstet es mich nicht darüber hinweg, dass ich mit dieser Emotion nicht alleine bin. Ich will einfach nicht, dass es aufhört. Ich. Und was wollen meine Eltern? „Wir suchen heute unser Grab aus“, sagen sie ganz sachlich.

Grab kommt von graben

In vielen Kulturen heben die Menschen für ihre Hinterbliebenen eine Grube aus. Im Altenglischen hieß es „grabu“ und bedeutet Höhle; im gotischen „graba“ und meint graben. Egal wie man es dreht, am Ende läuft es auf den letzten Weg hinaus.

„Mein letztes Haus“, sagt meine Freundin liebevoll zu ihrem Grab. Das hat sie sich auf dem Friedhof selbst ausgesucht. Eine eindrucksvolle Steinmetzarbeit kündet von den Menschen, die dort einmal beerdigt worden sind. Irgendwann ist meine Freundin an der Reihe. Zwei gute Sachen hat sie aber schon zu Lebzeiten in der Tasche: Sie pachtete die Grabstätte ihrer Wahl, fühlt sich am selbst ausgesuchten Ort wohl und hilft, eine geschichtsträchtige Grabstelle wie auch eine Jahrhunderte alte Steinmetzarbeit zu bewahren. Grabpatenschaft nennt man das.

Dresden hat zahlreiche Grabdenkmale

Laut Stadtverwaltung Dresden gibt es 58 Friedhöfe, inklusive stillgelegte der Kirchen. Damit bewahrt die Sächsische Landeshauptstadt eine unverwechselbare Grabkultur – zahlreiche Skulpturen aus Marmor oder Sandstein, in Wände eingelassene Gräber, barocke Friedhofsarchitektur.

Wer sich dafür interessiert, besucht einen unserer Friedhöfe und lässt die Atmosphäre in aller Ruhe auf sich wirken.

Wer spezielle Fragen hat, der ruft bei der Arbeitsgruppe Gesamtstädtische Friedhofsangelegenheiten an, Telefon 0351 488 71 58 oder 035 4 88 71 17.

Kurze Bestattungs-Statistik

Die Bestattung unserer Toten hat viele Facetten. In Deutschland, so habe ich den Eindruck, tun wir uns sehr schwer, über den Tot zu sprechen. Ist das eine Kultur der Verdrängung, weil man auf ewig alles erhalten möchte? Mir ist klar, dass das nur ein frommer Wunsch bleibt.

Laut Statista starben in den letzten 20 Jahren (bis 2022) 1.066.341 Menschen (Im Vergleich: 2022 waren es in Sachsen 60.066); insgesamt 5.496 Bestatter sorgten sich um die Abläufe von Begräbnissen. Wie die Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen https://feuerbestattungsanlagen-ral.de/aktuelles/ informiert, lagen 2012 Sargbestattungen bei 36 Prozent. Im Jahr 2022 waren es nur noch 22 Prozent.

Meine Eltern haben sich auch dagegen entschieden. Sie bevorzugen eine sogenannte „pflegefreie Beisetzungsform“ und liegen damit deutlich im Trend.

Weil laut Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsens die Lebenserwartung von Männern bei 77,4 und Frauen bei 83,6 Jahren liegt, wird es wohl meine Mutter sein, die als Erste auf unsere Grabstätte schaut. Seite an Seite mit mir.

Der Heidefriedhof

Wie fühlt sich das an, lebend auf das eigene Grab zu blicken? Wir finden es zu dritt heraus: Vater, Mutter, Kind.

Auf dem Friedhof angekommen, fährt uns ein Elektromobil durch die Heide. 54 Hektar groß ist dieses Areal, etwas kleiner als Sachsens größter Friedhof: Der Südfriedhof in Leipzig misst 78 Hektar.

„Unser“ Friedhof wurde zwischen 1934 und 1936 in der „jungen Heide“ angelegt. Es ist ein Wald. Stattliche Bäume säumen die Allee, die in den Heidefriedhof führt. Wer genau lauscht, hört viele Geschichten.

Mir ist ein wenig mulmig, als uns das Vehikel zur Grabstätte rollt. Der letzte Weg!

Einst plante Hans Erlwein, der ein begnadeter Architekt war (Seine bekanntesten Werke: Italienisches Dörfchen, Erlweinspeicher und Dresdner Vieh- und Schlachthof), mit 70 Hektar; heute werden laut Friedhofsverwaltung 25 Hektar für „unterschiedliche Grabanlagen wie etwa eine Kindergrabanlage und eine spezielle Grabanlage für Fehlgeburten“ genutzt. Zudem sind auf dem Heidefriedhof Gedenk- und Ehrengrabstätten zu finden.

Es gibt Erd- und Erdreihengräber, eine Sarggemeinschaftsanlage, eine Anlage für die Bestattung verstorbener Muslime und eine Buddhistische Grabanlage. Der Heidefriedhof, so viel wird klar, übt den Spagat zwischen Vergangenheit und Moderne. Der Ort für letzte Ruhestätten ist stetig den Bedürfnissen der Menschen angepasst worden.

Über die Beisetzungsmöglichkeiten wie etwa Baum- oder Mensch Tier Bestattungen und auch Persönlichkeiten können sich Interessierte in der Friedhofsbroschüre Heidefriedhof informieren.

Unsere Familie sucht das Grab aus

„Wie kommt ihr eigentlich auf diesen Platz“, frage ich meine Eltern. Sie hätten es in der Sächsischen Zeitung gelesen. Die Zustimmung wäre groß und nun wollen sie sich die Umsetzung anschauen.

Wir steigen aus und blicken auf einen kleinen Teich. Gräber kann ich auf den ersten Blick nicht erkennen, zumindest keine in klassischer Form. Kein Wunder, gehört es für diesen Platz zu den geltenden Vorschriften, dass die Grabsteine klein gehalten werden und auf dem Boden liegen, die Namensgravuren nicht im reflektierenden Gold sein dürfen und kein eigener Kranz-Schmuck die Grabstätte zieren soll.

„So sieht also eine ‚pflegefreie Beisetzungsform‘ aus“, denke ich still bei mir und lasse mir erklären, dass Landschaftsgärtner sowohl auf der kleinen Insel, als auch rund um den künstlich angelegten Teich die Naturlandschaft, besser gesagt, die Friedhofslandschaft, gestaltet haben – das „Grüne Band“.

Miteinander korrespondierende Stauden und Kleingehölze in unterschiedlichster Wuchshöhe sorgen für eine natürliche Abwechslung. Die Partnergräber, die für die Beisetzung von bis zu zwei Urnen vergeben werden sind ein Stückchen wunderbare Natur, inmitten der Dresdner Heide.

Ich hole tief Luft und meine Eltern schwärmen aus. Sie sind auf der Suche nach ihrem letzten Fleckchen Erde, dort, wo sie in eine Grube gelegt werden. Sie wollen ihren Frieden machen.

Ich ringe nach Gelassenheit. Schließlich suchen wir hier keine Pilze. Nörgelnd lehne ich die ersten Vorschläge ab. „Hier kommt doch keine Sonne hin“, maule ich. Oder: „Das liegt am Anfang des Weges, da latscht jeder hinter meinem Rücken entlang. Das Feng-Shui stimmt nicht.“ Nun ja, meine hohen Ansprüche haben wohl etwas damit zu tun, dass ich mich versuche, gegen den Tot zu stemmen. Ich darf ein Plätzchen auswählen. Genauer formuliert: Ich wähle aus, wo meine Eltern ruhen werden. „Wir nehmen es“, sagen sie ohne zu zögern und lächeln mich an.

Hell gelegen, mit Blick auf den Teich. Schließlich sollen es die beiden Alten guthaben. Sie werden mittendrin liegen, in einer Gemeinschaft anderer Verstorbenen, deren Namen und Geschichten wir nicht kennen. Dieses Mittendrin fühlt sich für mich wie Geborgenheit an. Es spendet Wärme. So wie meine Eltern mir Wärme gespendet haben.

Zu dritt stehen wir tief zufrieden und entspannt an „unserer“ Grabesstelle. Die Friedhofsangestellte schlägt einen Holzpfahl in den Boden und hängt eine Nummer dran – unsere Nummer. Jetzt lasse ich die Endlichkeit des Lebens zu. Erledigt.

Ganz sicher werde ich bepflanzte Schalen auf dieses kleine Urnengrab stellen. Solche, die sich gut ins „Grüne Band“ einfügen. Das ist erlaubt und würde mir in meinem Gedenken Freude bereiten – nicht nur an einem von vielen Totensonntagen.

Katrin Fiedler

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