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Deutschlands beliebtester Bio-Hofladen liegt am Rande von Oschatz

Schild "Qualität aus der Region"
Der Oschatzer Bio-Hofladen

OSCHATZ – Bei den Hofläden gewann der Herbst-Hof aus Kreischa bei Oschatz die Umfrage des Fachmagazins „Schrot&Korn“ – nach 2022 bereits zum zweiten Mal. Das ist deshalb bemerkenswert, weil der Osten bei der seit 20 Jahren ausgerufenen Abstimmung nur selten oder nie auftaucht. Was also ist das Geheimnis von Biobauer Heinze?

Wenn Axel Heinze (62) frühmorgens um sechs den Stall betritt, sind seine 30 Fleischrinder der Rasse Hereford bereits ungeduldig. Alle wollen versorgt werden. Nach Frühstück und Kaffee widmet sich der studierte Landwirt als Einzelkämpfer seinen 110 Hektar Land, davon 70 Hektar Ackerfläche mit allen möglichen Getreidesorten, Öl-Saaten und Hülsenfrüchten.

Von Donnerstag bis Sonnabend öffnet er auch den 98 Quadratmeter großen Hofladen. Hier finden die Kunden nicht nur frisches Obst und Gemüse, frische Backwaren und Molkereiprodukte, sondern ein komplettes Vollsortiment. Und natürlich alles Bio.

Dass der Herbst-Hof in der Gesamtbewertung die Goldmedaille absahnte, liegt auch daran, dass er bei „Atmosphäre“ auf dem Siegesplatz landete und bei „Beratung“ Silber holte, ebenso für das Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch wie schafft man dieses Vertrauen und eine Wohlfühlatmosphäre?

Heinze: „Ich gehe an diese Aufgabe mit sehr viel Freude und spielerischem Spaß, wie man es vielleicht als Kind schon mit seinem Kaufmannsladen geübt hat. Meine beiden Mitarbeiterinnen haben das auch tief verinnerlicht, wir lachen sehr viel.“ Man freut sich, wenn der Kunde von einem neuen Produkt überzeugt ist.

Das fällt umso leichter, wenn man selbst von seinem Angebot überzeugt ist. Denn viele Lebensmittel – etwa Eier, Öl, Mehl, Bier, Brötchen, Gemüse oder Fleisch – kommen von kleinen Erzeugern ganz aus der Nähe. Heinze kennt sie alle persönlich und weiß, wie viel Sorgfalt, Mühe und Herzblut in den Produkten stecken.

Bevor der Biobauer 2015 seinen Hofladen eröffnete, rieten ihm Freunde und drei Sachverständige davon ab. In einer Gegend, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, lässt sich kein Geschäft aufziehen. Sie behielten insofern recht, als Heinze die Stammkunden aus seinem Dorfe an einer Hand abzählen kann. Und doch hat sich die Qualität herumgesprochen, die Leute kommen aus Oschatz, Riesa, Mügeln und Belgern – selbst aus Mühlberg in Brandenburg.

Als relativ neuen Kundenkreis bemerkt Heinze junge Eltern, die aus gesundheitlichen Gründen das Motto „fürs Kind nur das Beste“ verfolgen. „Und plötzlich entdecken sie, welche Gaumenfreuden sie selbst bisher verpasst haben.“ Der Großteil der Stammkunden gehört aber älteren Generationen an. Menschen, die ganz verantwortungsbewusst auf regional und nachhaltig hergestellte Lebensmittel Wert legen. Manche sind tatsächlich neugierig auf die Lebensgeschichte ihres Essens.

Und die weiß Axel Heinze kenntnisreich zu erzählen, zumal viele Produkte ihren Ursprung auch auf seinen Feldern haben. Etwa das vorzügliche Mehl aus dem eher selten angebauten Gelbweizen. Die Öle, die von der Presse zurück in seinen Laden finden. Und für den angebotenen Honig ließ der Imker auch Heinzes Pflanzen bestäuben.

Sechsmal im Jahr kommen Fleisch und Wurst eines seiner Rinder hinter die Theke. Nach dem Winter grast die Herde auf einer weitläufigen Weide. Und trotzdem hat jedes Rind einen Namen. Dieser wird für ein neues Kälbchen von den Stammkunden online abgestimmt – das jüngste heißt Kiki.

Ungeachtet der Produktberatung kann man mit dem Biobauern auch über viele andere Themen herzlich plaudern. Etwa über Verantwortung für nachfolgende Generationen, über Natur- und Artenschutz. Warum auf seinen Getreidefeldern – anders als man es kennt – rote Mohn- und blaue Kornblumen wachsen. Oder über die gerade heiß diskutierten Lebensmittelpreise. Man erfährt auch, dass er zuletzt nicht mit dem Traktor auf Reisen war. Um Leute mit Stau, Lärm und Feinstaub zu nerven, sei die Stadtbevölkerung der falsche Adressat.

Würden hingegen die Parkplätze der regionalen Supermärkte blockiert, wäre er aber mit dabei. Heinze: „Die Agrarsubventionen sind für uns Landwirte nur ein durchlaufender Posten, die Milliarden landen letztlich als Profit bei den Handelsriesen. Und deren Inhaber leben nicht in Deutschland, geschweige in der Region. Sie sitzen bei einem Glas Champagner auf ihrem Luxus-Anwesen und lachen sich über unsere Bauernproteste halb schlapp.“

Auch wenn man nicht immer einer Meinung ist, pflegt Biobauer Heinze mit seinen Kollegen der konventionellen Landwirtschaft ein harmonisches Nachbarschaftsverhältnis. Bei großen Unternehmungen – etwa der Ernte – helfen sie als Dienstleister mit ihren großen Maschinen auch kräftig mit. Heinze ist guter Dinge, dass der Herbst-Hof mit seiner Tradition von anderthalb Jahrhunderten noch länger erhalten bleibt. Sein jüngster Sohn ist derzeit an der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung Student für Ökolandbau.

Info: herbst-hof.de

So findet man den nächsten Hofladen

Weit über 100 sächsische Landwirtschaftsbetriebe bieten ihre Produkte auch als Direktvermarkter oder in Hofläden an. Auf der Webseite hofladen.info findet man 87 davon. Die beste Übersicht hat der sächsische Bauernverband mit der kostenlosen Direktvermarktungs-Broschüre „So schmeckt Sachsen“ (164 Seiten) erstellt. Darin sind 107 Hofläden und 42 Milchtankstellen aufgelistet. Die Broschüre findet man, wenn man auf der Seite des Bauernverbandes im Downloadbereich zum Jahresbeginn 2021 scrollt: slb-dresden.de

Von Jan Berger

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