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Senior sitzt vor Mikrofon im Gespräch.
In einem persönlichen Gespräch werden die Geschichten zunächst aufgenommen. Foto: Urte Modlich

Die eigene Lebensgeschichte als Hörbuch

Lüneburg – Als Hörfunkredakteurin hat Urte Modlich mehr als 20 Jahre über Menschen, Geschichten und Ereignisse berichtet. Diese Erfahrung und Freude an der Arbeit hat sie dazu bewogen, die Geschichte ihrer Großmutter Käthe in einer Hörbiografie zu vertonen. Kurz darauf starb die Oma, aber die Erinnerungen bleiben. 

Aus der Idee für eigene Erinnerungen entstand das Projekt, Hörstücke auch für andere Menschen anzufertigen. Sie gleichen einem langen Radiobeitrag, der die persönlichen Interviewaufnahmen mit Erzähltexten kombiniert. „Ein Stück von mir“ nennt Urte Modlich das Angebot. Es ist für Menschen, die ihre Lebensgeschichte erzählen und festhalten möchten.

Ein Geschenk für sich und andere

Plötzlich geht ein Familienmitglied oder ein guter Freund aus unserem Leben. Durch das Smartphone haben wir heute die Möglichkeit, viele Erinnerungen als Video, Audio oder Foto zu speichern. Nur, tut man das so, dass man es später wiederfindet und zeitlich einordnen kann? Meistens nicht. Urte Modlich hat als Redakteurin die Struktur bereits im Kopf. Sie hört sich in persönlichen Gesprächen die wichtigen Ereignisse im Leben ihrer Gesprächspartner an, deren Geschichte aufgezeichnet werden soll.

SZ Lebensbegleiter hat mit Urte Modlich über die Idee der Erinnerungsaufnahmen gesprochen:

Frau Modlich, in nur wenigen Wochen stellen Sie die lange Lebensgeschichte von Ihnen zunächst fremden Menschen in einem persönlichen Hörbuchformat zusammen. Wie kommt es dazu?

Oft sind es die Kinder und Enkelkinder, die an mich herantreten. Sie wollen sich selbst oder jemandem zum Geburtstag oder zu Weihnachten ein Geschenk machen und eine geliebte Person durch die Hörbiografie für immer bewahren. Manchmal möchten ältere Menschen auch von sich aus ihr Leben für Kinder und Verwandte erzählen, damit etwas von ihnen bleibt, wenn sie sterben. Sie haben Sorge, in Vergessenheit zu geraten oder dass die Erinnerung an sie zu schnell verblasst. Danach fühlen sie sich frei.

In jedem Leben stecken viele Ereignisse, wie sortieren Sie sie?

Das Hörformat erkläre ich den Menschen zunächst am Telefon. Im Vorfeld bitte ich um einen Lebenslauf, in dem die wichtigsten Ereignisse bereits notiert sind, die erzählt werden sollen. Ich biete als maximale Länge eine Stunde Abspielzeit an, damit kommt man in der Regel gut aus. Manche Punkte fallen später weg und andere werden ausführlicher erzählt, das ergibt sich dann oft im persönlichen Gespräch. Es passiert, dass Geschichten zutage kommen, die ganz in Vergessenheit geraten waren, die selbst die eigene Familie noch nie gehört hat, das ist dann besonders schön. Als fremde Person stellt man eben oft ganz andere Fragen und weckt so neue Erinnerungen.

Wie viel Zeit sollte eingeplant werden für die Zusammenstellung der Inhalte?

Das persönliche Gespräch ist die Grundlage für das Hörstück. Ich bin in ganz Deutschland dafür unterwegs oder die Interessenten kommen zu mir nach Lüneburg. Letztens kam ein Herr aus Altenburg zu mir. Er hat mal im Landkreis Lüneburg gewohnt, da hat er den Besuch in seiner alten Heimat mit unserem Gespräch verbunden. Ich selbst bin aber auch gerne unterwegs und schaue mir dabei Städte an. In Dresden war ich zum Beispiel noch nie. Ich stelle in diesen Fällen nur die Fahrtkosten separat in Rechnung, die Übernachtung zahle ich selbst.

Für ein 30-minütiges Hörformat müssen drei Stunden Gespräch einkalkuliert werden. Wer das 60-minütige Hör-Videoformat wählt, rechnet mit zwei Tagen und jeweils drei Stunden Gespräch pro Tag vor Ort, wobei auch Fotos gemeinsam herausgesucht werden.

Die richtige Arbeit fängt sicher erst im Aufnahmestudio an…

Die persönlichen Gespräche sind auch für mich sehr interessant. Lebensgeschichten sind so unterschiedlich. Letztens sprach ich mit einem Kapitän, der schon drei Mal mit seinem Schiff fast untergegangen war. Dann wollte eine todkranke Frau Aufnahmen zur Erinnerung für ihre Kinder hinterlassen. Es ist oft auch sehr emotional. Nach den Gesprächen gehe ich mit meinem wertvollen Schatz der Aufnahmen in mein Tonstudio.

Beim Audio-Videoformat möchte ich auch einen lokal-historischen Hintergrund für die Familien mit einbauen. Wenn ein Großvater vom Krieg erzählt, versuche ich, aus einem Archiv Bildmaterial des Ortes zu bestellen, damit die Geschichte mit Fotos aus der entsprechenden Zeit ergänzt wird. Persönliche Fotos gibt es kaum aus der damaligen Zeit, da die Menschen selten Fotoapparate besaßen.

Schon den eigenen Lebenslauf kann man oft zeitlich nur grob erinnern. Wie geht das bei fremden Menschen?

Ich schreibe zu den Interviewaufnahmen einen Text, der sich am Lebenslauf der Interviewpartner orientiert. Dieser Text verbindet die einzelnen Erzählungen miteinander und bringt sie in einen Zusammenhang.

Am Ende gibt es noch einen richtigen Lebenslauf, ich nenne es „Lebenslandkarte“, sie läuft im Abspann des Videoformats oder steht im Booklet, das dem reinen Audioformat beigelegt wird. Wenn der Text geschrieben ist, wird es vertont und das Hörstück produziert. Daraus ergeben sich oft noch Rückfragen. Am Ende der Produktion gibt es eine Kontrolle, damit auch alle Daten richtig sind.

Woher wissen Ihre Kunden, welches Format für sie das Richtige ist?

Es gibt vier verschiedene Pakete. Das reine Hörformat gibt es ab 1300,00 Euro für 30 Minuten Abspielzeit. Das Audio-Videopaket mit 60 Minuten Dauer kostet 2500,00 Euro. Der Preis ist vorher festgelegt und beinhaltet bereits die Recherchen, Vertonung, Hör-/Videoproduktion und die Gestaltung des Booklets. Eine CD will heute fast keiner mehr, daher enthält die Geschenkbox häufig einen USB-Stick. 

Haben Sie auch Ihre eigenen Eltern interviewt?

Tatsächlich habe ich das lange Zeit vor mich hergeschoben. Ich habe sie erst vor einem Jahr aufgenommen. Erst wollte ich es nicht, weil ich Angst davor hatte, denn gewisse Fragen stellt man den eigenen Eltern nie. Ich hatte auch Angst vor den Antworten. Zum Glück habe ich es gemacht, denn meine Mutter ist ein Jahr später plötzlich gestorben. Nun kann man mir die Erinnerung nicht mehr nehmen. Es war schön, viele Aspekte vor ihrem Tod noch vertieft zu haben. Es ist auch eine neue Nähe entstanden durch die Gespräche und mein Vater ist dadurch viel offener geworden.

Anette Rietz

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

Hören und Sehen weckt Emotionen, besonders wenn es um uns bekannte Personen oder gar Verwandte geht. Lesen Sie mehr über interessante Hörstücke in unserem Beitrag über Podcasts.

Sie erreichen Urte Modlich wie folgt: [email protected], Mobil 0174 8300556

Autor Henry Berndt aus Dresden erstellt Porträts über Menschen in Buchform. Damit möchte er das Leben eines Menschens erfassen und einfühlsam, authentisch und lesenswert erzählen. Sein gedrucktes Buch-Projekt „Lebenslinien“ stellen wir im April vor.

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