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Fiktives Bild mit einer hellen Tür zum Jenseits umhüllt vom dunklen Sternenhimmel.
Prolog – Kosmos: Am Ende sind wir alle Sternenstaub. RFK Architects & Tom Piper / Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss/Foto: Alexander Schippel

Keine Angst vor dem Tod

Berlin – Die Ausstellung un_endlich. Leben mit dem Tod, inszeniert als Drama in fünf Akten, beleuchtet das Leben mit dem Tod – von individuellen, persönlichen Facetten bis hin zu globalen Gesichtspunkten. SZ Lebensbegleiter hat sich für Sie umgeschaut.

Der Umgang mit Sterben, Tod und Trauer ist so vielfältig wie die Menschen selbst. Die Stiftung Humboldt Forum widmet sich diesem herausfordernden Thema. Unter dem Titel un_endlich zeigen eine Sonderausstellung sowie ein Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm vielstimmige Sichtweisen und Vorstellungen, unterschiedliches Erfahrungswissen und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Sterben und Tod. 

Gedanken über die Sterblichkeit gehören zum Leben 

Mit dem Tod eines Menschen können viele Gefühle wie Angst, Wut, Zweifel, Einsamkeit und Unsicherheit aufkommen. Dazu kommen Gedanken über die eigene Sterblichkeit oder die der Eltern oder anderer Lieblingsmenschen. Diese Gefühle und Gedanken sind normal und gehören zum Leben dazu.

Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums: „Die Gewissheit des Todes verbindet alle Menschen und ist gleichwohl eine der letzten großen Unbekannten. Im Programmschwerpunkt un_endlich. Leben mit dem Tod widmet sich das Humboldt Forum in den nächsten acht Monaten einem der großen universellen Themen und bietet Besucher*innen die Möglichkeit, innezuhalten, in Erfahrungsräume einzutauchen, in den Austausch zu treten und Position zu beziehen.“ 

Sich mit der Endlichkeit gemeinsam auseinandersetzen

Der Schweizer Kurator Detlef Vögeli hat die Ausstellung als Drama in fünf Akten konzipiert: „Die dramaturgische Grundidee war, die Besucher*innen als Sterbliche und Akteur*innen direkt anzusprechen. Räume als Bühnen zu schaffen für die Besucher*innen, auf denen sie mit unterschiedlichen Vorstellungen und Fragen zu Sterben und Tod konfrontiert werden, die hinter dem Vorhang des Alltages oft verborgen verbleiben.“ 

Die von dem britischen Bühnenbildner Tom Piper entworfene Gestaltung spielt mit der Theatermetapher und setzt das Drama als atmosphärisch dichte Komposition um. Tom Piper: „So wie Shakespeare in Hamlet versucht, mit dem Tod umzugehen, wollen wir die Menschen ermutigen, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. Ich denke, dass dies ein Hauptziel der Ausstellung ist: keine Angst vor dem Tod zu haben, sondern diesen als Teil unseres Lebens zu betrachten – als Theater des Lebens.“ 

Für die Ausstellung hat Piper in Zusammenarbeit mit dem Architekten Alan Farlie Szenografien entwickelt, die im Zusammenspiel von Videos, Sounds, Stimmen, Installationen zu Momenten intensiver Raumerfahrung werden. Alan Farlie: „In der Ausstellung steht das emotionale Gesamterlebnis im Zentrum. Man teilt den Raum, man teilt das Erlebnis. Durch eine Ausstellung geht man immer irgendwie allein, selbst wenn man in Begleitung ist. Wir dagegen bemühen uns, eine Art Bewegung zu entwickeln: von einem Akt zum nächsten, von einem Raum in den nächsten.“ 

Ein Rundgang wie auf einer Bühne

Auf ihrem Rundgang begeben sich die Besucher auf die Bühne der Endlichkeit und erkunden Szenen und Fragen des Todes. Die Ausstellung zeigt Sichtweisen aus der diversen Stadtgesellschaft, Erfahrungswissen von Sterbebegleitern aus zwölf Ländern, eine nicht-religiöse und eine islamische Leichenwaschung wie auch wissenschaftliche Zugänge zum Thema. Die persönliche Perspektive soll durch die Einsicht in globale Sichtweisen auf den Tod und die Unendlichkeit erweitert werden. Es geht um Verantwortung für Leben und Tod, auch vor dem Hintergrund des Klimawandels und des Artensterbens.

Für Jung und Alt: Interaktiver Umgang zur Frage „Wie leben wir mit dem Tod“

Das Humboldtforum bietet mit speziellen Führungen und Workshops für Interessengruppen ein interessantes Vermittlungsprogramm für Erwachsene und Schüler ab der 7. Klasse. Das Konzept entstand gemeinsam mit der Björn Schulz Stiftung, die lebensverkürzende erkrankte Kinder und deren Familien professionell begleitet.

Auch eine Fortbildung für Pädagogen und Multiplikatoren wird angeboten. Im Zentrum des Veranstaltungsprogramms steht die Auseinandersetzung mit dem Tod in seinen globalen Zusammenhängen quer durch Genres, Sparten und Generationen. Stimmen aus kulturellen und religiösen Communities kommen zu Wort, Experten teilen ihr Erfahrungs-Wissen aus der Sterbebegleitung, der Bestattungs-Praxis und der Erinnerungskultur. An den Wochenenden laden Sprechstunden zu Gesprächen mit einer Pathologin, einem Trauerredner, einer Polizistin und vielen mehr. 

Erzählprogramme für Kinder und Familien sowie für Erwachsene befassen sich mit Abschied. 

Anette Rietz

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

Das Humboldt Forum am Berliner Schloßplatz ist ein Ort für Kultur, Wissenschaft, Debatten, Ausstellungen und Austausch. Der Ort, auf dem das heutige Kultur- und Austauschforum eröffnet wurde, blickt auf 800 Jahre Politik und Geschichte zurück. Wer Fragen zu diesem geschichtsträchtigen Ort hat, kann per E-Mail Kontakt aufnehmen: [email protected]

Barrierefreiheit 

Alle Bereiche des Humboldt Forums sind ebenerdig oder über Fahrstühle und Hebelifte zugänglich. Ein taktiles Bodenleitsystem erleichtert in Verbindung mit taktilen Grundrissplänen blinden und sehbehinderten Menschen in einem Großteil der Verkehrs- und Ausstellungsflächen die Orientierung. Es stehen Rollstühle, Rollatoren, mobile Sitzgelegenheiten und Buggys zur Ausleihe zur Verfügung. 

In vielen Ausstellungsbereichen gibt es Stationen, die zum Tasten, Sehen, Hören, Riechen und Schmecken einladen. Die Humboldt Forum App und der Medienguide bieten zudem Audiodeskriptionen, Videos in Deutscher Gebärdensprache. Im Humboldt Forum gibt es barrierefreie und inklusive Veranstaltungs- und Bildungsangebote. Assistenzhunde sind willkommen.

Ausstellung un_endlich. Leben mit dem Tod

Öffnungszeiten: Mo/Mi/Do/Fr/Sa/So von 10:30 Uhr bis 18:30 Uhr. Dienstags geschlossen.

Dauer: vom 1. April bis 26. November 2023

Ausstellungspreise: 12 / 6 Euro (für Menschen mit Beeinträchtigungen, die einen Ausweis vorlegen können). Eine Ermäßigung für Senioren gibt es nicht. Viele Ausstellungen im Humboldt Forum sind jedoch kostenfrei. Zahlreiche Cafés und Restaurants laden zum Entspannen zwischen den Ausstellungsbesuchen ein.

Informationen und Tickets: 

Online-Buchung mit festgelegten Zeitfenstern ist möglich. So wird Anstehen erspart.

Kontakt Besucherservice: Tel. 030 99 211 89 89

Lesen Sie auch unsere Beiträge aus der Rubrik Der letzte Weg: „Und jetzt zeigst du uns, wie sterben geht„, „Was ist ein guter Tod, Herr Roth„. Unser Geschenktipp „Die eigene Lebensgeschichte als Hörbuch“ vertonen.

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