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Ein älterer Herr mit grauen, zurückgekämmten Haaren und Bart liest einem Mädchen aus einem Buch vor. Im Hintergrund leuchtet eine Glühlampe. Foto: StockAdobe/mikey
Vorlesen, trösten, liebhaben – Kinder brauchen ihre Großeltern, auch nach einer Trennung der Eltern. Foto: StockAdobe/mikey

Sachsens verlassene Großeltern kämpfen um ihre Enkel

Sachsen – Ein Großelternpaar aus Nordsachsen hat seinen Enkel von Geburt an häufig betreut. Es war bei ihm, wenn es krank war und die Eltern arbeiten mussten. Es verbrachte Urlaube mit ihm und war oft Zufluchtsort für das Kind, wenn es sich von seinen Eltern unverstanden fühlte. Doch von einem Tag auf den anderen war damit Schluss.

Ihr Sohn habe sich von seiner Frau getrennt und dabei viel verbrannte Erde hinterlassen, wie sie es nennen. Und nun verwehrt ihre Ex-Schwiegertochter ihnen den Kontakt zu ihrem Enkel. „Das war unbegreiflich für uns. Fast als hätte man uns unser eigenes Kind weggenommen“, erzählt die Oma. Die Trennung ihres Sohnes sei zwar schon einige Jahre her. Doch darüber hinweggekommen sei sie bis heute nicht. Sie wisse auch nicht, wie es ihrem Enkelkind nach der Trennung geht.

„Wenn Kinder erfahren, dass sich ihre Eltern trennen, ist das ein Schock“, sagt Susanne Pehse, die als Trennungsbegleiterin in Radebeul tätig ist. „Die Kinder verspüren oft nur noch Angst. Angst vor dem Alleinsein und dem Verlassenwerden, vor dem Verlust eines Elternteils und der vielen anderen Menschen ihres Umfelds, denen sie bisher nahegestanden haben“, sagt sie. Pehse will Trennungseltern helfen, ihren Kindern den wichtigen Kontakt zu ihrem früheren Umfeld zu erhalten. „Das ist die Kostante, die sie dringend brauchen“, sagt sie. Um Kindern in einer solchen Ausnahmesituation die dringend notwendige Sicherheit zu geben, sei es wichtig, die Verbindung zu den Großeltern, zu Verwandten oder Freunden aufrechtzuerhalten. „Kinder brauchen das – vor allem nach einer Trennung. Doch dieser Punkt wird in der ersten Trennungsphase des Paares oft vernachlässigt“, sagt sie.

Nicht geschafft, die Familie zusammenzuhalten

Oft gebe es da auch die Scham, sich und anderen einzugestehen, es nicht geschafft zu haben, die Familie zusammenzuhalten. Gerade Großeltern könnten hier der Fels in der Brandung sein und die Kinder in ihren Nöten auffangen. Auffällig sei aber, dass wie in dem Beispiel aus Nordsachsen vor allem der Kontakt zu den Eltern des Vaters leide. „Das kann daran liegen, dass es bei uns immer noch überwiegend der Fall ist, dass die Kinder nach einer Trennung bei der Mutter bleiben, den Vater weniger sehen und damit auch den Kontakt zu diesen Großeltern verlieren“, sagt sie. Doch so, wie die Kinder beide Elternteile brauchten, könne ihnen auch der Kontakt zu beiden Großeltern Stabilität geben.

Die Realität sieht jedoch oft anders aus, weiß Ramona Kühn aus Leipzig. Sie leitet die Gruppe „Verlassene Großeltern“ in Sachsen, ein Selbsthilfeverband, der der „Bundesinitiative Großeltern“ angehört. Viele Großeltern leiden sehr darunter, dass sie ihre Enkel nicht mehr sehen dürfen. In der Gruppe suchen sie den Austausch mit anderen, denen es ebenso geht. „Sie hören sich zu und wissen, dass ihr Gegenüber sie ganz genau versteht, auch wenn sie an der Sache selbst nichts ändern können“, sagt Sabine Bedbur, die der Gruppe angehörte, als sie noch in Markkleeberg lebte. Jetzt engagiert sie sich im Bundesverband. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch hätten Großeltern zwar ein Umgangsrecht mit ihren Enkeln. „Doch im Streitfall müssen sie beweisen, dass der Kontakt ihren Enkeln guttut. Wir kämpfen für eine Beweislastumkehr. Die Trennungseltern müssen in der Nachweispflicht sein, dass der Kontakt zu uns Großeltern den Kindern schadet“, sagt Bedbur. Große Hoffnungen setzen sie deshalb in die geplante Familienrechtsreform, mit der eine Chance besteht, diesen Fakt zu korrigieren. Sie selbst habe sich mit Hausverboten für die Schule und das Umfeld ihrer Enkelkinder auseinandersetzen müssen. „Wenn Elternteile den Kontakt unterbinden, sind wir machtlos. Und das muss sich ändern.“

Großeltern sind wichtige Stützen

Dabei können Großeltern ihren Enkeln, aber auch ihren getrennten Kindern eine wichtige Stütze sein. Sie könnten ihnen viele Alltagssorgen abnehmen und sie entlasten. Deshalb sieht es Susanne Pehse als wichtige Aufgabe an, trennungswillige Eltern in dieser Hinsicht zu beraten.

„Ich empfehle Trennungseltern deshalb, bevor sie ihre Kinder von ihrem beabsichtigten Schritt unterrichten, die Großeltern einzuweihen“, sagt sie. Für Kinder könnten die Großeltern ein elementarer Zufluchtsort sein. Dann sollten die Großeltern sie auffangen können. „Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Eltern ihrer Verantwortung in einer Trennung bewusst werden. Es sind noch zu wenige, die vor dem entscheidenden Schritt die Unterstützung einer Familienberatungsstelle und von mir als Trennungsbegleiterin suchen.“

Doch sie weiß auch, dass man Eltern, die sich streiten wollen, damit nicht bekomme. „Es gibt aber die, die den Kontakt aufrechterhalten wollen, aber nicht wissen, wie sie es anstellen. Hier kann ich unterstützen.“

Stephanie Wessely

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

Die Großelterninitiative

Trennungsbegleiterin Susanne Pehse rät Großeltern, deren Kinder sich trennen:

1. Seien Sie für Ihr Enkelkind da. Zeigen Sie ihm, dass Sie es lieben und es sich bei Ihnen fallenlassen kann.

2. Hören Sie ihm zu. Lassen Sie es über seine Gefühle und Gedanken sprechen, ohne diese zu bewerten.

3. Seien Sie verständnisvoll, geduldig und geben ihm Zeit, sich mit der neuen Situation zurechtzufinden. Ihr Enkelkind durchlebt eine schwierige Zeit.

4. Seien Sie positiv. Geben Sie Ihrem Enkelkind Hoffnung für die Zukunft.

5. Helfen Sie ihm, die Entscheidung der Eltern zu akzeptieren. Erklären Sie ihm, dass die Eltern ihr Kind immer lieben und diese Liebe nie endet.

6. Helfen Sie Ihrem Enkelkind, sich mit Freunden zu verabreden. 

7. Helfen Sie ihm, die Schule nicht zu vernachlässigen, regelmäßig zu lernen und seine Hausaufgaben zu machen.

8. Helfen Sie Ihrem Enkelkind, sich zu entspannen.

9. Halten Sie das Kind aus dem Trennungskonflikt heraus. Seien Sie neutral beiden Eltern gegenüber.

Über ihre Arbeit lesen Sie auf der Internetseite www.trennungsbegleiterin.de mehr.

Die Bundesinitiative Großeltern

…setzt sich dafür ein, die Beziehungen zwischen Kindern, ihren Eltern und Großeltern nach der Trennung nicht abbrechen zu lassen. Sie unterstützt „verlassene Großeltern“ in regionalen Selbsthilfegruppen.

Ausführliche Informationen finden Sie auf der Internetseite www.grosselterninitiative.de

Kontakt in Sachsen: Ramona Kühn, Tel. 0163 8441720, E-Mail:
[email protected]

Der Lesetipp

Elvira Larssen ist eine Bloggerin und Buchautorin, die Beiträge über das Schicksal verlassener Großeltern, zu denen sie auch selbst gehört, veröffentlicht.

Ausführliche Informationen zu ihrer Arbeit finden Sie hier: www.elvira-larssen.de

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