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Seniorin im Rollstuhl, Empathie-Puppe im Arm.
Emphatie-Puppen werden in Schweden speziell für Menschen mit Demenz entwickelt. Sie helfen auch gegen Einsamkeit. Foto: Dinand van der Wal

Spielen, Lachen und Bewegen

Nürnberg – Eine große Portion Empathie und der Wunsch, Menschen mit Behinderungen zu helfen und ihnen Spaß zu bereiten. Das war ausschlaggebend für die jungen Holländer Paul Ruijgrok und Louis Bakker, um „SpelPlus“ zu gründen. Heute ist aus der Firma „SpielePlus“ in Nürnberg ein großes Unternehmen mit einer vielfältigen Auswahl an Spielen geworden.

Diese Spiele regen zu Bewegung, kognitiven Übungen und zum Gedächtnistraining an und sorgen außerdem für Geselligkeit und Wärme. Interaktion schenkt ein Gefühl der Aufmerksamkeit. Menschen glücklich zu machen, ist das wichtigste für die beiden Gründer. Daher versuchen sie, sich maximal in die Bedürfnisse der Menschen hineinzudenken und zu fühlen, was Senioren am ehesten wünschen.

SZ-Lebensbegleiter hat Firmenmitgründer Paul Ruijgrok zum zehnjährigen Jubiläum des Unternehmens über die Grundidee und Neuigkeiten in der Produktpalette von SpielePlus befragt.

Ihre Idee hilft vielen Menschen, auch mit körperlichen Einschränkungen Spaß am Leben zu haben. Wie ist die Idee für den Webshop SpielePlus entstanden?

Louis Bakker und ich saßen 2012 mit Freunden zusammen und haben uns allgemein über Spiele unterhalten. Unsere Freundin arbeitete zu der Zeit im Pflegeheim und ihr war aufgefallen, dass es überhaupt keine Spiele für Senioren und Menschen mit Behinderung gab. Wenn es im Heim überhaupt Spiele gab, dann waren sie eher für Kinder und nicht für Erwachsene.  Das gab uns die Idee.

Haben Sie den Praxistest gemacht?

Wir haben dann die tatsächliche Situation in den Pflegeeinrichtungen geprüft. Sie hatte recht. So haben wir uns an die Arbeit gemacht, um das entsprechende Angebot aufzubauen. Ältere Menschen liegen uns sehr am Herzen. Das Wichtigste ist, dass man sich in die Art und Weise, wie Menschen denken und fühlen, hineinversetzen kann. Nur so wirst du eine andere Welt betreten. Das ist einzigartig.

Spieleplus Gründer auf Parkbank mit Holzspiel Vier gewinnt
SpielePlus-Gründer Louis Bakker (rechts) und Paul Ruijgrok (links) mit „Vier gewinnt“ in XL. Foto: Roxan Fotografie

Wie werden die Spiele entwickelt und was zeichnet das Angebot von SpielePlus besonders aus?

Wir entwickeln selbst keine Spiele, sondern kaufen international bei rund 100 Lieferanten ein. Für uns ist hochwertige Qualität wichtig, daher kaufen wir viele Produkte in Deutschland ein. Unser Lieblingsmaterial ist Holz, auch wegen der Griffigkeit. Zu unseren Lieferanten gehören Familienunternehmen und kleine Werkstätten in Deutschland wie beispielsweise die Werkstätten Karthaus. Hier arbeiten und leben Menschen mit Behinderung. Sie erstellen Produkte in Spitzenqualität. Wenn wir dann doch eine Idee haben, die es noch nicht gibt, dann stellen wir das Konzept für das Spiel selbst zusammen und lassen es in Deutschland produzieren. Denn Qualität steht für uns ganz oben. Wir möchten ein breites Angebot für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung bereithalten. Wir leben heutzutage in einer hektischen Zeit. Auch viele junge Leute spielen nicht mehr so oft zusammen wie früher. Ältere Menschen spielen jedoch noch sehr gerne und sie haben die Zeit dazu.

Ihre Spiele sind für ältere und körperlich eingeschränkte Menschen bestimmt. Welche Fähigkeiten werden besonders gut durch Spiele verbessert?

Bewegung ist gut für die Motorik, den Körper und das allgemeine Wohlbefinden. In unserer Kategorie „Bewegungsspiele“ halten wir speziell hierauf ausgerichtete Spiele bereit. Sie machen jüngeren und älteren Menschen Spaß. Senioren sitzen oft zu viel oder können gar nicht mehr laufen. Für diese Menschen gibt es Spiele wie zum Beispiel Tisch-Boccia. Selbst wer im Rollstuhl sitzt, kann hier mitmachen, denn es wird auf einem Tisch gespielt. Ganz neu entwickeln wir derzeit das Bewegungs-Bingo. Der Spielleiter sucht eine Bewegung aus, die er vormacht, und die Spieler suchen die entsprechende Karte zur Bewegung heraus. Das Bewegungs-Bingo wird Ende des Jahres auf den Markt kommen.

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Übergroßer Domino-Spielstein

Ball, bedruckter Softball mit Gesprächsthemen

Puzzle Wohnzimmer aus 4 Teilen

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Und welche Spiele unterstützen das Gedächtnistraining?

Mit unserem Gesprächsball werden Bewegung und Gedächtnis trainiert. Das interaktive Spiel geht so: Das Themenfeld, das beim Fangen des weichen Balls vom rechten Daumen berührt wird, ist das ausgewählte Thema, zu dem die Spieler etwas erzählen sollen. Das Schöne ist, es gibt keine falsche Antwort. Dies ist besonders für Demenzkranke angenehm. Fragen wie „mein schönster Tag“ oder „Ich liebe…“ ermöglichen jedem Menschen eine Teilnahme. Auch mit dem Buchstaben-Ball lassen sich wunderbare Spiele durchführen. Fangen und Denken ist rundum förderlich für die Gesundheit und die Spieler erfahren etwas über die Mitmenschen.

„Ältere Menschen mit Demenz sollten nicht wie Kinder behandelt werden“

Besonders gut für das Gedächtnistraining sind die Spiele von unserem Lieferanten Haptikon. Hierzu gehören BerufsTrubel , Typikato-alles typisch! und Lexikaner. Bei „Lexikaner“ werden Wörter aus vorgegebenen sowie eigens hinzugefügten Buchstaben gesucht, die mit einer Themen-Rubrik assoziiert werden können. Dank verschiedener Spielvarianten lässt sich das Spiel hervorragend an die individuellen Fähigkeiten der Mitspieler anpassen.

Weisst Du noch?

Mit Spielen wie „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ kurbeln wir ebenfalls die Erinnerung an. Hierbei handelt es sich um sechs farbige Puzzles im extragroßen A3-Format mit je sechs Teilen. Das Motiv zeigt bekannte Sprichwörter, die die Senioren bereits aus der Kindheit kennen und die durch ansprechende Bilder veranschaulicht werden. Das gemeinsame Rätseln beim Puzzlen aktiviert ganz von allein das Langzeitgedächtnis und trainiert die Kommunikationsfähigkeit und Motorik. Das gemeinsame Spielen fördert die Lebensfreude und soziale Teilhabe, die ganz wichtig für Senioren ist. Im Begleitheft sind viele Hinweise und Spielideen, damit es stets eine neue Variante gibt beim Rätseln.

Ältere Menschen oder Senioren mit Demenz dürfen aber nicht wie Kinder behandelt werden. Sehr beliebt sind auch die Spiele „Das waren die 50er“ oder „Das waren die 60er“, die mit Foto-Ausschnitten wie bei „Dalli-Klick“ in der ehemaligen TV-Sendung Dalli-Dalli funktionieren.

Welche Möglichkeiten haben Senioren- oder Pflegeheime für die Zusammenarbeit mit Ihnen?

Wir verkaufen Spiele und können die Heime beraten bei der Verwendung. Leider können wir keine Spiele vermieten, da dies zu teuer ist und die Spiele sonst abgenutzt werden. Wir verkaufen bereits 60 Prozent unserer Spiele an Heime, auch in Sachsen. In Heimen wird gerne auch Karten gespielt. Wir bieten auch bequeme Accessoires wie hölzerne Spielkartenhalter an, damit die Hände nicht die Karten halten müssen.

Ist der Erwerb von Spielen für pflegebedürftige Menschen eigentlich förderungsfähig durch Kranken- oder Pflegekassen?

Bisher liegt uns hierzu leider keine Information vor. Tatsächlich fördern die Spiele von SpielePlus die Gesundheit. Senioren- und Pflegeheime könnten mit unseren Spielen außerdem sicherlich mehr Abwechslung in den Heimalltag bringen. Zusätzlich haben wir auch viele Geräte für Bewegungsspiele, wie den Turnstab aus Holz, Spiele für Sehbehinderte und Menschen im Rollstuhl im Programm.

Haben Sie auch Spiele für Einzelspieler?

Ja, die haben wir natürlich auch. Die Kategorie heißt Solitaire. Wir haben großteilige Puzzles mit guter Griffigkeit, Sudoku und das altbekannte Brettspiel Solitaire. Durch die Vertiefungen im Spielbrett fallen die Spielsteine nicht einfach um. So ist das Spiel sehr gut geeignet für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit oder für Menschen mit Sehbehinderungen. Altersgerechte Puzzles und Solitaire sind Bestseller und stehen ganz oben auf den Geschenklisten für die Großeltern.

Das Gespräch führte Anette Rietz.

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

Das Angebot an Spielen für alle Sinne ist tatsächlich sehr groß. Auf dem Porta „SpielePlus“ lesen Sie mehr zu den vielen Spielen und Geräten, die ältere und eingeschränkte Menschen unterstützen bei Ihren gesundheitlichen Problemen. Schön ist es, wenn Ehrenamtliche mit Senioren spielen, dabei ihre kognitiven Reaktionen trainieren und durch die Geselligkeit des Spiels der Alterseinsamkeit ein wenig vorbeugen.

Lesen Sie zum Thema „Demenz“ auch unseren Artikel über Prof. Donix aus Dresden.

Möchten Sie sich ehrenamtlich für ältere Menschen engagieren und Zeit mit ihnen verbringen?

Der Freistaat Sachsen bietet umfangreiche Informationen im Internet. Unter dem Stichwort Engagementbörse können Sie sich im gewünschten Tätigkeitsfeld Ehrenamtsangebote heraussuchen in Ihrer Nähe. Hierzu gehört auch der eingetragene Verein „Aktiv ab 50“ in Zwickau oder die „Kontaktstelle Verein“ der Begegnungsstätte Neukirchen. Denn gerade in ländlichen Regionen ist es besonders wichtig, Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen.

Das Ehrenamtsförderprogramm „Wir für Sachsen“ informiert hier, welche Ehrenämter förderfähig sind.

Lesen Sie auch unseren Beitrag „Spielerisch durch den Lockdown“ aus unserer Rubrik Kommunikation & Begegnung.

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