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Drei Mosaik-Hefte der schreibenden Senioren
In der Reihe "Radebeuler Mosaik" erscheinen die Beiträge der IG "Schreibende Senioren" im NOTschriften Verlag. Foto: NOTschriften Verlag

Autorentreff in Radebeul

RADEBEUL – 14 Frauen und Männer der IG „Schreibende Senioren“ treffen sich jeden zweiten Mittwoch in den Sidonienhöfen der Volkssolidarität. Sie bringen inhaltsreiche Texte in Lyrik und Prosa zu Papier. Alltagsgeschichten, Erlebnisse aus längst vergangenen Zeiten – oft lustig, weil gekonnt gereimt, auch traurig und nachdenklich mit zu Herzen gehenden Worten. Immer wieder mahnen die Geschichten zum Frieden und geißeln den Krieg.

Gudrun Scheibe ist die Chefin der schreibenden Zunft. „Ohne finanzielle Unterstützung der Stadt Radebeul könnten wir unser ‚Radebeuler Mosaik‘ nicht herausgeben“, berichtet die 70-Jährige. Seit 1995 haben sich die Frauen und Männer – die Älteste ist Helga Rotze, die Jüngste Gisela Dietz – mit ihren Texten auf 3.640 Seiten im A5-Format in 26 Heften verewigt, gedruckt im Radebeuler Notschriften-Verlag.

Diskussion über Schreibstile und Wortwahl

Frau Scheibe freut sich über den Zusammenhalt der schreibenden Zunft und unterstreicht die gegenseitige Hilfe. „Jeder wählt die Themen selbst, trägt seine Schöpfungen vor und stellt sich dem Disput“, so zu Lesungen in der Stadtbibliothek Ost, in der Radebeuler Stadtgalerie, im Pflegeheim „carpe diem“, sogar im Lößnitzdackel, im Kultur-Bahnhof oder in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität. „Da stehen Inhalte, Schreibstile, Wortwahl und Grammatik zur Diskussion“, verrät Günther Klemm. Der 85-jährige Flugzeugtechniker ist seit vier Jahren dabei und fordert gereimt, man sollte „nicht jammern“ und wird deutlich „Ich bin alt und nicht mehr ganz gesund, / doch zum Jammern gibt es keinen Grund. / Es nützt nichts, zu zetern und zu klagen, / es ist ebenso in alten Tagen. / Gerne blicke ich zurück. / Es gab Schönes. Es gab Glück …“

Gisela Novy schildert „Einen Frühling, den ich nie vergessen werde“. Im März 1945 wurde „ich nachdenklich und sehe bis in unsere Tage die Bilder von damals noch einmal plastisch vor mir“. Novy habe im erzgebirgischen Weigmannsdorf als Pflichtjahrmädchen bei einem Bauern hören müssen, dass Dresden bombardiert wurde und ein Bombengeschwader im Anflug war. Zitternd habe sie zusehen müssen, wie „die Flugzeuge über uns hinweg Richtung Dresden flogen und wünschte mir, dass dieser schreckliche Krieg bald beendet wird“.

Reisen und Kindheitserlebnisse

Brigitte Feuchtler denkt zurück an eine Reise von Moskau mit der „Transsibirischen Eisenbahn zum gigantischen Baikalsee und weiter zur ausgedehnten Wüste Gobi über die Mongolei“. Hella Pakleppa erinnert an eine Situation, in der sie als Kind erdulden musste, wie sich das erzgebirgische Altenberg durch Bombenangriffe in eine Ruinenstadt verwandelte. Frau Pakleppa weiß: „Daran erinnert eine Gedenktafel.“ Günther Klemm schildert einen „Besuch im Friedensfahrtmuseum“ im kleinen Bördedorf Kleinmühlingen, wo dem bedeutsamsten DDR-Sportler Gustav-Adolf „Täve“ Schur ein Denkmal gesetzt worden ist.

Klemm ist vom Enthusiasmus seiner „Schreibenden Senioren“ begeistert: „Jeder hilft jedem“, erzählt er und erinnert an die damals fast 100-jährige Käte Neumann, die die Mosaik-Hefte lagerte, verwaltete und verteilte.

Bemerkenswert: Klemm – geboren bei Teplitz – schildert 2023 mit nachdenklichen Worten in dem 160-Seiten-Heft „Die Suche nach der neuen Welt“ und beschreibt, wie die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg „aus dem Sudetenland vertriebenen Menschen in Deutschland nicht willkommen waren“. Warum er die heile Welt suchte? „Es gibt sie nicht! Aber trotz alledem, ich suche weiter …“, sagt einer, der auch aus seinem Heft in der Gedenkstätte in der Bautzner Straße in Dresden gelesen hat und keine Antwort fand. 

Von Peter Salzmann

SZ-Lebensbegleiter-Tipp

Weitere Infos zur IG „Schreibende Senioren“ erhalten Sie über den Regionalverband Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen e.V., Körnerweg 3, 01445 Radebeul. Telefon 0351 897220 oder www.volkssolidaritaet-meissen.de.

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