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angesetzter Wasserkefir
Wasserkefir ansetzen - das geht ganz einfach in jeder Küche. Foto: Privat

Wasserkefir als Lebenselixier?

Die Sache fing mit einem kleinem Gläschen voll Dingerchen an, die aussahen wie Kandiszucker und sich anfühlten wie gewässerte Gummibärchen. Diese lebenden Kristalle hat mir eine Hundefreundin von ihrem Wasserkefir abgeschöpft und dazu eine äußerst knappe Bedienungsanleitung mit auf den Heimweg gegeben. Demnach sollten vier Löffel Zucker, ein Liter Wasser und drei Trockenfrüchte innerhalb von ein bis zwei Tagen daraus ein erfrischendes Getränk zaubern.  

Also schon wegen der Menge an Zucker reagierte ich als zuckerarm lebende Diabetikerin bissel verschreckt. Dazu noch Trockenfrüchte. Wieder Zucker. Aber – nur um die Freundin nicht zu brüskieren – riskierte ich einen Versuch. Und setzte die mitgebrachten Kristalle experimentell in einem Literglas an. Anderntags große Verkostung. Ein Glas, danach den Zucker messen. Dann das große Staunen. Das Messgerät wurde nach dem nächsten probiertem Glas erneut befragt. Tatsächlich war von den vier Esslöffeln Zucker fast alles weg. Zumindest nicht in meinem Blut, sondern von der Bakterien-Pilz-Lebensgemeinschaft einfach aufgefressen. Und das obwohl das Zeug süß wie ein leicht prickelndes Sommergetränk schmeckt. Donnerwetter. Jetzt erwachte aber die Neugier. Wikipedia, Tante Google und YouTube – alle wurden also nach dem zuvor nie gehörten Wasserkefir durchforstet. Das Zeug gibt es schon hundert Jahre und es finden sich derzeit abertausende Einträge, Anleitungen, Rezepte und Erfahrungen. Darunter auch die biologisch-chemische Erklärungen für das „Verschwinden“ des Zuckers und die probiotischen Wirkungen des Getränkes. Ein Wässerchen, das später im Kühlschrank sogar noch Millipromille an Alkohol und je nach Zugabe von Früchten Geschmack aller Art produziert. Mir hat es übrigens den kneifend-maulenden Darm wieder auf Trab gebracht.

 Die Sache mit dem kleinen Gläschen von der Freundin, die liegt jetzt so acht Wochen zurück. Inzwischen haben nach und nach meine Nachbarin, die Töchter sowie weitere Bekannte und Hundefreunde jeweils ein kleines Gläschen mit abgeschöpften Kristallen plus einer kurzen Erstanweisung überreicht bekommen. Fast alle waren anfangs ähnlich skeptisch, haben dann gestaunt und schon kurz darauf kräftig nach eigener Fasson und Geschmack experimentiert. Wir tauschen uns manchmal aus, ob Himbeere oder eher Ingwer-Limette oder Melisse und Pfefferminze nach dem ersten Abguss das richtig spritzige Sommergetränk ergeben. Da die hungrige Mikroben-Pilz-Kombination sich bei guter Pflege schnell vermehrt, gebe ich gern ein Gläschen ab, bevor mir die Dingerchen hier weiter über den Kopf wachsen. Das ist dann so wie ein biologisch nützliches Schneeballsystem.  

SZ-Lebensbegleiter-Tipp

Für den Start ins Kefir-Abenteuer:

  • Eine Handvoll gekaufter oder geschenkter Kristalle in ein 1-Liter Glas geben 
  • Dazu vier Esslöffel (80 Gramm) vorher in Wasser aufgelösten Zucker geben
  • Drei bis vier ungeschwefelte Trockenfrüchte einwerfen und das Glas auffüllen
  • Zugedeckt ein bis zwei Tage stehen lassen – je länger es steht, desto saurer wird der Kefir
  • Danach abgießen und sofort trinken oder in Flaschen mit Früchten zweitfermentieren.    

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