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Stopp: Ich sorge vor und deshalb können mir Krankheitserreger nichts anhaben. Foto: AdobeStock/ Photocreo Bednarek

Immunsystem stärken

Deutschland – Vitamine, Mineralstoffe und Immunbooster – kaum ein Tag, an dem nicht dafür geworben wird. Gesundheitsforscher Professor Karl-Ludwig Resch kennt alle Studien zum Immunsystem und forscht selbst zum Thema Abwehrstärkung.

Herr Professor Resch, warum ist es gerade jetzt wichtig, das Immunsystem auf Trab zu bringen?

Wir haben viele Corona-Monate hinter uns, in denen Kontakte gemieden wurden. Hygienemaßnahmen kamen hinzu, die uns vor Viren und Krankheitserregern geschützt haben. Das alles hat dazu beigetragen, dass Corona weniger stark gewütet hat. Doch Isolation, Masken und Desinfektion schirmen uns vor allen Viren ab, nicht nur vor den Coronaviren. Nun kennt unser Immunsystem andere Viren nicht mehr.

Erkältungen gab es doch auch schon vor Corona. Warum erinnert sich unser Immunsystem nicht mehr daran?

Das Immunsystem ist sehr komplex. Der Körper haushaltet mit seinen Kräften. Das heißt, er baut gegen Erkältungsviren keinen lebenslangen Schutz auf, wenn man einmal daran erkrankt ist. Gibt es für ihn eine bestimmte Zeit lang keine Erkältungsviren abzuwehren, ziehen sich – vereinfacht gesagt – die Abwehrzellen aus der Schleimhaut von Nase, Mund und Rachen zurück, sie sind nicht mehr so präsent. Bei einem plötzlichen Kontakt mit Viren braucht es eine gewisse Zeit, bis sich das System wieder aktiviert hat.

Aufgabe der Schleimhaut ist es, dass die Viren und Fremdstoffe daran haften und von den Flimmerhärchen wieder nach außen befördert werden – möglichst ehe sie in die Zellen eindringen und sich dort vermehren können. So reduziert sich die Virenlast.

Kann man auch selbst etwas tun, um die Virenlast zu senken?

Auf jeden Fall. Und das ist sogar sehr einfach – zum Beispiel mit Nasenspülungen und Gurgeln. Diese Maßnahmen werden oft unterschätzt. Aber zu Unrecht. Man tut sich damit etwas richtig Gutes, weil man der Schleimhaut hilft, Viren herauszuspülen. Den Rest schafft das Immunsystem oft alleine. Dampfbäder hingegen sind eher kontraproduktiv.

Warum, was ist an Dampfbädern auszusetzen?

Der Dampf ist meist zu heiß. Zumindest dann, wenn man es nach der herkömmlichen Methode macht, indem man den Kopf über eine Schüssel kochend heißes Wasser hält und das Ganze noch mit einem Handtuch abdeckt. Der heiße Dampf reizt die Schleimhäute und behindert damit ihre Arbeit. Ich empfehle stattdessen Ultraschall-Vernebler. Dazu gibt es spezielle Salzlösungen zu kaufen, man kann sie aber auch selbst herstellen. Spülung und Inhalation sind so wirksam, weil sie direkt an der Eintrittspforte der Viren ansetzen.

Professor Karl-Ludwig Resch (67) leitet das Institut für Gesundheitsforschung in Hof. Er ist Facharzt für physikalische Medizin. Foto: privat

Keine Erkältungssaison ohne Vitamin-D-Werbung. Was halten Sie davon?

Sehr viel. Gerade in der Corona-Zeit wurden viele Studien mit Vitamin D durchgeführt, die nun auch veröffentlicht sind. Die Kernaussagen waren, dass die Erkrankungen unter Vitamin-D-Einnahme weniger stark und mit weniger Folgeschäden verliefen. Und was für Corona gilt, gilt auch für andere Atemwegsviren. Selbst Long-Covid-Symptome ließen sich damit abschwächen. Vitamin D halte ich deshalb vor allem in der Erkältungszeit für unverzichtbar. Doch was viele vergessen: Die passive Zufuhr des Vitamins reicht nicht. Es braucht Sonnenlicht, um seine Wirkung im Körper zu entfalten.

Laut Bundesamt für Strahlenschutz ist die Sonnenintensität im Winter viel zu gering dafür.

Natürlich ist der Sonnenstand im Winter niedriger. Aber dennoch kommt etwas auf der Haut an. Der Aufenthalt an frischer Luft ist nicht nur wegen des Lichts gesundheitlich wertvoll. Hinzu kommt der Kältereiz, der die Durchblutung erhöht und zur besseren Versorgung der Zellen führt – vor allem der Schleimhautzellen.

Welche Dosis empfehlen Sie?

Dosierungsempfehlungen sollten nie pauschal abgegeben werden. Ich rate, den Vitamin-D-Spiegel vom Hausarzt prüfen zu lassen. Danach kann die richtige Dosis ermittelt werden. Auch in der Apotheke kann man sich beraten lassen. Apotheker haben die Expertise dafür. Wer sich Präparate im Drogeriemarkt kaufen will, sollte davon ausgehen, dass dort meist weniger Vitamin D drin ist.

Wie hoch ist die Gefahr der Überdosierung?

Wenn man die Empfehlung von Arzt oder Apotheker einhält, ist man sicher. Man muss schon viel davon einnehmen, und das über eine längere Zeit, um Schäden durch Überdosierung zu erleiden.

Und was gilt für Vitamin C?

Mit Vitamin C allein kann man nichts falsch machen. Sie können es löffelweise nehmen, der Körper scheidet das aus, was er nicht braucht. Im Gegensatz zu den beiden anderen Antioxidanzien – Vitamin A und E. Aber alle drei halten wahrscheinlich nicht, was man sich lange Zeit davon versprochen hatte.

Warum nicht?

Eine große Studie aus London an mehr als 18.000 Probanden zeigte, dass Antioxidanzien die Immunabwehr herabsetzen. Vereinfacht gesagt, gewöhnt sich der Körper daran und kann freie Radikale – auch Oxi­danzien genannt – nicht mehr so gut neutralisieren. Dass ein kurzzeitig erhöhter Oxidanzienspiegel nicht schadet, sondern sogar nützt, zeigt sich in der Sauna.

Was passiert im Körper durch das Saunabaden?

Die Konzentration von Oxidanzien im Blut steigt an. Doch man wird dadurch nicht krank. Denn der Körper wird zur vermehrten Abwehrarbeit angeregt, und das trainiert das Immunsystem. Deshalb sollte man nach der Sauna etwas ruhen, um dem Körper Zeit dafür zu geben.

Manche scheuen die kalte Dusche danach?

Da muss man nichts erzwingen. Es genügt anfangs, das Wasser etwas kühler zu wählen. Es soll angenehm sein, Training ist alles. Nach einer Weile ist auch ein kurzer kalter Schwall gut zu tolerieren. Die Aktivierung des Kreislaufs und des Stoffwechsels ist die beste Immunstärkung überhaupt.

Auch besser als Mineralstoffe und Immunbooster?

Bei Mineralstoffen gibt es nur zu Zink gute Studien. Doch Zink wird überschätzt. Zu Beginn einer sich anbahnenden Erkältung genommen, verkürzt es ihre Dauer nur um ein bis zwei Tage. Ein anderer Immunbooster ist Umckaloabo, also Pelargonienwurzel. Dieser Stoff scheint auf die Viren einzuwirken, sodass sie sich nicht so gut einnisten und vermehren können. Auch dazu gibt es Studien. Echinacea, der Rote Sonnenhut, wirkt weniger intensiv. Diese Präparate sollten nicht die erste Wahl sein.

Und wie wichtig ist guter Schlaf?

Er ist unverzichtbar. Denn der Organismus ist während der Aktivität nicht in der Lage, sich um sich selbst zu kümmern, also Reparaturen zu erledigen, Verletzungen zu heilen und Schlackenstoffe auszuscheiden. Im Schlaf passiert sehr viel im Körper, er regeneriert sich, um wieder fit zu sein für den nächsten Tag. Deshalb ist ausreichend Schlaf immer wichtig, ganz besonders aber bei einer akuten Infektion mit Atemwegsviren. Der Kampf gegen die Erreger kostet Kraft, und die holt sich der Körper zurück – oft mit Macht.

Das Gespräch führte Stephanie Wesely.

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