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Thermometer zeigt heiße Termperaturen für Wetter an. Mehr Grün in Großstädten sorgt dafür, dass das Thermometer nicht so stark steigt.
Wenn die Sonne knallt, steigt das Quecksilber. Für eine gesunde Abkühlung können wir einiges tun. Foto: StockAdobe/Günter Albers

Mehr Grün für weniger Hitze

Dresden – Der Sommer ist heiß und vor allem im Alter macht uns das zu schaffen. Der Kreislauf spielt nicht mehr so richtig mit und wir suchen schattige Plätze. So schön warme Tage auch sind – steigen die Temperaturen zu hoch und das auf zu lange Zeit, wird es für viele Menschen unangenehm. An die heißen Sommer von 2014, 2015, 2018 und 2019 können sich viele gut erinnern – auch mit einem Unbehagen. In den 50er-Jahren waren Deutsche gewohnt, dass das Thermometer im Durchschnitt nur an drei Tagen im Sommer auf mehr als 30 Grad steigt. Heute sind es laut dem Deutschen Wetterdienst im Durchschnitt bereits neun. In Dresden waren es 2019 ganze 28 Tage mit einer Tageshöchsttemperatur von 30 bis 37 Grad Celsius.

Besonders Großstädte betroffen

Durch die dichte Bebauung, die Flächen von Beton und Asphalt bleibt auch abends und nachts die Temperatur vergleichsweise hoch und bringt nur wenig Abkühlung. In heißen Sommern sterben statistisch gesehen mehr Menschen als in durchschnittlichen Sommern. Zudem gibt es mehr hitzebedingte Krankheitsfälle durch Dehydrierung, Hitzeschlag und Kreislauferkrankungen. Was tun die Großstädte in Sachsen und Thüringen, damit auch künftig die Innenstädte im Sommer zum Wohnen, Leben und Arbeiten attraktiv bleiben?

Städte müssen abkühlen

Erfurt und Dresden beteiligen sich an dem Forschungsvorhaben „Heat Resilient City“ (hitze-robuste Stadt) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Es orientiert sich an den Bedürfnissen der Bewohner und erhielt dafür den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2022.

Für das Projekt wurden bestimmte Stadtteile ausgewählt, in denen man mit verschiedenen Maßnahmen dem Hitzetrend entgegenwirken will – in Erfurt die Innere und Äußere Oststadt sowie das Hansaviertel. Die Zufuhr mit Kalt- und Frischluft ist in diesen Stadtteilen geringer als im Westen der Stadt. Grund sind breite Straßen, die Blockbebauung, versiegelte Innenhöfe und die gewerbliche Nutzung. Um die Situation zu verbessern, wurden in den vergangenen Jahren hitze- und trockenresistente Bäume, zum Beispiel Hainbuchen, und Großsträucher gepflanzt. Anwohner und Schulklassen sorgen durch Baumpatenschaften für das Gedeihen der Bäume in ihrem Umfeld, was diese mit Schatten, Sauerstoff und kühlerer Luft danken. Zudem sorgen Bäume vor Häusern dafür, dass sich die Fassaden und Innenräume nicht so stark aufheizen. Damit die Pflanzen trockene Wochen überstehen, erhalten die Bäume regelmäßig Bewässerungssäcke. Einfach gesagt: Städte müssen abkühlen, damit sie für Menschen lebenswerter werden.

Was wird getan?

Unter der Internetseite von erfurt.de wurde ein gesondertes Portal installiert, das mit Hitze-Warnungen und -Verhaltenstipps sowie Hinweisen auf kühlere Orte, Trinkbrunnen und Trinkwasserstationen in der Stadt die Bevölkerung informiert. „Es hat mittlerweile bundesweit viele Nachahmer gefunden“, sagt Guido Spohr vom Umwelt- und Naturschutzamt der Stadt Erfurt. Außerdem wird per Online-Nachrichten, Presseinfos und auf den digitalen Informationstafeln an den Hauptstraßen vor anstehenden Hitzewellen gewarnt.

In Dresden ist der Stadtteil Gorbitz, mehrheitlich eine Plattenbausiedlung der 1980er-Jahre auf einer Anhöhe über der Innenstadt, Teil des Projekts. An sich hat der Stadtteil zwischen den Wohnhäusern viele Grünflächen, trotzdem gelten die Ringstraßen mit teils sechsgeschossigen Wohngebäuden als hochversiegelt und überwärmt. Nun werden einige der Grünflächen nur noch zweimal möglichst spät im Jahr gemäht, um das Blühen zu erhalten. Das nutzt nicht nur Insekten und Bienen, sondern auch dem Mikroklima, denn höhere Grashalme verhindern eher das Austrocknen des Bodens. Verbessert wird der Wärmeschutz an Gebäuden zum Beispiel durch begrünte Dächer und Fassaden. Und es gibt kostenfreies Trinkwasser in einigen Einrichtungen entlang der hitzebelasteten Höhenpromenade von Gorbitz. Begrünt werden auch Haltestellen von Bus und Straßenbahn, da wartende Menschen hier oft ungeschützt der Hitze ausgeliefert sind.

Derzeit stellt Dresden zudem für die besonders wärmebetroffenen Gebiete Alt- und Neustadt, die im Elbtal liegen, ein Maßnahmen-Papier zusammen. Es soll im Herbst vorgestellt werden.

Auch in Leipzig setzt man auf die Begrünung von Dächern, was finanziell von der Stadt gefördert wird. Jedes Jahr werden 1000 zusätzliche Bäume entlang der Straßen gepflanzt und die Stadtwerke bauen jährlich zwei neue Brunnen mit Trinkwasser, über deren Standorte die Bewohner entscheiden können. Zudem wurde ein Masterplan Grün“ erarbeitet. Mit ihm sollen künftig Grün- und Wasserflächen wie Seen, Wald, Parks und Kleingärten als „gesamtstädtische grünblaue Freiraumkulisse“ vor Bebauung geschützt werden und eine Art Netz bilden: Auf beschatteten Wegen und über begrünte Plätze gelangen dann die Bewohner idealerweise aus verdichteten innerstädtischen Wohngebieten wie auf grünen Korridoren zu Erholungsflächen, wo klimaangepasste Pflanzen gedeihen. Zu letzteren zählen Amberbäume, Hopfenbuchen, Tulpenbäume, und wegen ihrer Trockenheitsresistenz auch Feldahorn, Silberlinde und Stieleiche. Leipzig verfügt im Vergleich zu anderen Großstädten über viele Seen, Wasserkanäle und Bäche. Als thermisch belastet gelten unter anderem Teile der Innenstadt, von Gohlis, der Südvorstadt, von Lindenau und Plagwitz.

Alle Maßnahmen können nur ein erster Schritt sein, um die Städte gegen den Klimawandel robuster zu machen und die Lebensqualität der Einwohner zu erhalten. Sie können gleichzeitig Beispiele auch für andere, kleinere Städte sein, die hier künftig mehr machen wollen.

Dirk Hoffmann

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

Wie kann ich mich auf Hitze einstellen?

  • Der Deutsche Wetterdienst warnt im Sommer per Newsletter, wenn sich heiße Tage ankündigen.
  • Unter dwd.de kann man seine Stadt bzw. den Landkreis eingeben und erhält per Mail eine Hitze-Vorinformation, wenn für diese Region mit Hitze zu rechnen ist.
  • Der Wetterdienst hat zudem Empfehlungen zusammengestellt, wie man sich an Hitzetagen verhalten sollte.
  • Unter Klima-mensch-gesundheit.de hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Empfehlungen zum Verhalten an Hitzetagen zusammengestellt. Hier gibt es ein Video, das zeigt, wie Klimawandel und Hitze die Gesundheit des Menschen beeinflussen.

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