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Fürst Pückler, der Genießer

Das spätbarocke Schloss Branitz steht inmitten einer einmaligen Parklandschaft.
Das spätbarocke Schloss Branitz steht inmitten einer einmaligen Parklandschaft. Jeder Raum erzählt ein Stück Geschichte des exzentrischen Schlossherrn, Fürst Hermann von Pückler-Muskau und seiner Frau Lucie. Foto: joergneufeld

Branitz – Bis mittags in den Federn liegen? Jeder Enkel muss sich da so einige Worte gefallen lassen. Nicht so Hermann Pückler.-Muskau Schließlich war er ein hochrangiger Adliger und durfte hernach fürstlich leben. Und das tat er. Mit seiner Frau Lucie. Auf Schloss Branitz. Und in weiten Teilen der Welt. Ohne seine Frau Lucie. 

Pücklers Neigung, erst in den Mittagsstunden in den Tag zu gehen, war nur eine von vielen. Er pflegte nach der Morgentoilette erst einmal zu sinnieren und ein Käffchen zu sich zu nehmen. Der Exzentriker nahm sich Zeit und kreierte. Zum Beispiel jede Menge Menüs. Fasanenpaste mit Trüffel, gefüllter Schweinekopf, Hechtschnitten in Spreewaldsoße – mit seinem erlesenen Geschmack überzeugte er noch jeden Gast. Selbst die preußische Königin und spätere Kaiserin Agusta kam ins Schwärmen. So ist es überliefert in einem der noch fünf erhaltenen Tafelbüchern. Darin wurden Gerichte und Namen der Gäste notiert – mehr als 3.500 Menüs und illustre Namen – und die jeweilige Auswertung. So wurde Königin Augusta etwa 1864 ein Karpfen á la Chambord serviert. Sie soll gleichermaßen angeregt und auch gesättigt gewesen sein. Ganz im Sinne des Branitzer Feinschmeckers, denn Essen war für ihn nicht nur einfache Nahrungsaufnahme. Der Fürst, so ist es überliefert, war immer auf der Suche nach gutem Geschmack. 

Und das dreifarbige Pückler-Eis?  

Soll ein Konditor erfunden haben. Pückler selbst bevorzugte Kirschen oder auch Ananas. Letztere war zur damaligen Zeit eine Seltenheit. Aber weil Pückler alles Schöne liebte, ließ er in der Schlossgärtnerei Ananas züchten. Auch heute noch ist die goldene Ananas ein unverwechselbares Wahrzeichen. Das gleichnamige Café an der Historischen Schlossgärtnerei erinnert an die kulinarische Liebhaberei – mit einer goldenen Ananas und ein Pückler-Eis wird hier auch verkauft. Natürlich. 

Genießen bei lieblichen Klängen 

Wer im Café ein Päuschen einlegt, der kann seine Blicke nicht nur Richtung Parklandschaft schweifen lassen. Ab und zu dringt der Gesang einer Frau an die Ohren. Das ist keine Sinnestäuschung. Fürstin Lucie höchstpersönlich singt vor Gästen, wenn sie nicht gerade zur Geschichte des wunderschönen Parks erzählt, als Fremdenführerin. Das tut sie sowohl im spätbarocken Schloss als auch während einer Kahnfahrt entlang der Kanäle durch den 650 Hektar großen Park. Der ist vom Tausendsassa Pückler höchst selbst erschaffen worden. Als der Fürst in Geldnot geriet, zog er (1845) mit Frau Lucie von Muskau nach Branitz. Was er dort sah, war eine landschaftliche Wüste. In der Ferne qualmten die Schlote. Cottbus war zu dieser Zeit eine aufstrebende Industriestadt. Die Tuchmacherei wurde zur Grundlage regionaler Textilindustrie.  

Einerseits war Pückler von der Industrialisierung stark beeindruckt. Schließlich reiste der Fürst seinerzeit nach England, dem Mutterland der Industrialisierung. Dort besichtigte er nicht etwa Fabriken. Vielmehr zog es ihn zu den Damen. Der „abgebrannte“ Adlige war auf Brautschau, um seine Kasse aufzubessern – mit dem Segen seiner Frau Lucie. Seine Antennen hatte er jedoch in alle Richtungen ausgerichtet. Mittellos und ohne lukrative Ehe reiste er nach einiger Zeit heim, zog später von Bad Muskau aufs Familiengrundstück nahe Cottbus – und war anfänglich wenig begeistert. Landschaftliche Trostlosigkeit umfing den bekennenden Genießer.  

Seine Liebe und Muse Lucie ermunterte ihn, um das rosafarbene, spätbarocke Schloss einen Park zu erschaffen. Von England inspiriert, in Muskau ausprobiert, in Branitz vollendet: Es entstand ein Meisterwerk der Gartenbaukunst des 19. Jahrhunderts. Eine einmalige Schönheit, errichtet auf sandigen Böden. 

Der Grüne Fürst 

„Ein Park muss wie eine Gemäldegalerie sein, alle paar Schritte soll man ein neues Bild sehen“, soll Pückler gesagt haben. Er träumte sich einen Park. Und es ist unfassbar beeindruckend, was der Mann sich in seiner Fantasie vorstellen konnte. Schließlich hatte er das heute so wunderschöne Areal nur vor seinem geistigen Auge.  

Aus dem Umland wurden Bäume auf einem eigens erschaffenen Wagen transportiert, samt Wurzelballen, und auf dem Branitzer Gelände eingegraben. Was einfach klingt, brauchte Willen und Kraft. Der Fürst sichtete Bäume, verhandelte mit Einheimischen einen Abkauf, ließ die Bäume von starken Männern in den zukünftigen Park transportieren und arbeitete mit einem erstklassischen Landschaftsgärtner zusammen, um die Gewächse einzupflanzen. Art der Bäume, Wuchshöhe, Laubfärbung – nichts wurde dabei dem Zufall überlassen. Schließlich wollte der Grüne Fürst eine einmalige Landschaft erschaffen. Wasserläufe, Hügel, Pflanzungen und Sichtachsen wurden nach englischem Vorbild erschaffen. Da war der Fürst 60 Jahre alt. Unterstützt durch Lucie schuf Fürst Hermann Pückler die letzten 25 Jahre seines Lebens einen europaweit einmaligen Landschaftsgarten. Das Bild, was der Fürst stets vor Augen hatte, dürfen wir heute genießen. Nicht zu vergessen das Herz und Wahrzeichen: die Grabpyramide. In diesem mächtigen Tumulus teilt er seine letzte Ruhe mit seiner Frau Lucie. 

Der Fürst – ein Windhund 

Er liebte die Frauen, gute Kleidung, ausgesuchte Speisen, Musik, Reisen und vieles mehr. Fürst Hermann Pückler lebte in der Zeit der Universalgelehrten und war auch selbst universell unterwegs. 

Heutzutage würde man Pückler einen Windhund nennen. Er war ein Abenteurer und erkundete fremde Länder. Daraus entstand nicht nur seine Faszination für Industrialisierung und dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Fortschritt. Er entflammte auch auf einer seiner Reisen für den Orient. 

 Pückler war ein Exzentriker. So heißt es, dass er in Berlin vor der Konditorei Kranzler mit einer Kutsche vorfuhr, gezogen von weißen Hirschen. Überliefert ist auch, dass er mit einem Ballon fuhr oder in London in einer Glocke auf den Grund der Themse tauchte.  

Pückler starb am 4. Februar 1871. Sein Leben und sein Vermächtnis sind im Schloss und Park Branitz zu besichtigen. 

Katrin Fiedler 

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

  • Bis in den Oktober hinein gibt es in Branitz zahlreiche Veranstaltungen.
  • Die nächsten Salon-Führungen mit Fürstin Lucie oder wahlweise Fürst Pückler finden am 27.8., 3.9., 10.9., 17.9., 24.9. statt.  
  • Anmeldungen sind unter 0355/75150 möglich. 
  • Eine Führung dauert etwa 60 Minuten. 
  • Erwachsene zahlen für eine Führung, inkl. Schlosseintritt) 14 Euro.  
  • Führungen finden noch bis 1. Oktober statt, samstags, sonn- und feiertags ab 11, 12.15, 13.30 und 14.45 Uhr. 
  • Eine Gondelfahrt mit Fürstin Lucie, inklusive musikalischer Umrahmung, kostet (bei einer Gruppe von 10 Personen und festem Termin) 20 Euro pro Person. 
  • 60-minütige Gondelfahrten können auch individuell unter Tel.: 0355/7515192 gebucht werden. Kosten pro Person: 14 Euro. 
  • Tipp: Am 26. und 27. August 2023 findet das Branitzer Weinfest statt. Start ist jeweils 12 Uhr. Lausitzer Winzer und Gäste aus der Woiwodschaft Lebus präsentieren ihre Weine für Verkostungen und zum Kauf. Natürlich darf im Park des Grünen Fürsten auch eine kulinarische Entdeckungsreise nicht fehlen. Untermahlt wird das Weinfest von Musik.  
  • Hinkommen: Vom Cottbuser Hauptbahnhof verkehrt die Pücklerlinie  
  • Das Pücklerticket gilt als Tageskarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel in Cottbus, inklusive Ermäßigungen. 
  • Ausführliche Informationen finden Sie bei Cottbus Tourismus.
  • Für Garten- und Parkfans auch interessant: Unser Beitrag „Gartenbuchpreis 2023 für Garten der Harfe“ mit viel Irland-Reisewissen

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