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Happy Birthday, Winfried Glatzeder!

Die Schauspielerin Angelica Domröse ist mit einem Blumenkranz geschmückt. Sie sitzt gemeinsam mit ihrem Paul in einem Bett, dass auf einem Spree-Kahn steht. Foto: DEFA-Stiftung/Herbert Kroiss, Manfred Damm
Romanze in einem alten Spreekahn in der Rummelsburger Bucht - Filmausschnitt mit Angelica Domröse und Winfried Glatzeder, "Die Legende von Paul und Paula". Der Streamingdienst Netflix hat den Film von der DEFA Stiftung in sein Programm aufgenommen. Außerdem ist Glatzeder bei Netflix in der Mysterie-Serie "Dark" zu sehen. Foto: DEFA-Stiftung/Herbert Kroiss, Manfred Damm

Berlin – Er ist der DEFA-Kultfilm schlechthin, der Streifen „Paul und Paula“ von 1973. Während Regisseur Heiner Carow († 67) und Autor Ulrich Plenzdorf († 72) im Hintergrund blieben, stellten Schauspielerin Angelica Domröse (82) und Akteur Winfried Glatzeder, die Hauptfiguren dar. Und noch viel mehr: Beide gaben Paul und Paula ihre Charaktere – für einen Moment. Dieser Moment sollte ein Leben lang anhalten. Denn beide Künstler sind bis heute mit diesen starken Charakterrollen in Erinnerung geblieben.  

Heute ist Winfried Glatzeder 78 Jahre alt geworden. Wir haben mit dem Künstler in Berlin gesprochen: 

Winni, Winne, Winfried oder Paul – auf welchen Namen reagieren Sie? 

Allergisch auf Winni, weil das war der strenge Ruf meiner Mutter. Winfried wurde mir als Name gegeben. Wenn mir von den Müllfahrern Paul mit einem Lächeln hinterhergerufen wird, dann ist das ein schönes Lob. Meine Frau nennt mich ganz praktisch Winne. 

Sie haben in den 70er Jahren bei der DEFA viele Filme wie „Till Eulenspiegel“, „Zünd an, es kommt die Feuerwehr“, „Zeit der Störche“ und „Der Mann, der nach der Oma kam“ gedreht. Nervt es nicht, ständig auf „Paul und Paula“ angesprochen zu werden? 

Ich danke dem Schicksal, dass ich diesen Film machen konnte. Ausgelöst durch durch den frühen Tod der Regisseurin Ingrid Reschke, bekam ich diese Rolle. Eigentlich hatte sie die Hauptfiguren schon besetzt. Heiner Carow und Ulrich Plenzdorf schrieben das Drehbuch neu und besetzten Angelica Domröse und mich mit den Hauptrollen. Das Besondere an diesem Film war, dass nicht der Sieg des Kommunismus bebildert wurde, sondern es wurde der private Glücksanspruch der Liebe in den Mittelpunkt gestellt. Die Menschen haben gespürt, dass sie mit ihren Gefühlen ernst genommen wurden. 

Ihrer Oma Ellen ist es unter anderem zu verdanken, dass Sie Schauspieler geworden sind. Wie kam’s? 

Sie war befreundet mit der Schauspielerin Anneliese Reppel, Tochter der berühmten Reinhardt-Akteurin Hermine Körner. Anneliese Reppel hat in russischen Märchenfilmen mit ihrer tiefen Stimme alle Hexen synchronisiert. Wenn die Frauen miteinander sprachen und Rosenthaler Kadaka tranken, saß ich in einer Ecke und hörte zu. Einmal sagte Anneliese mit ihrer tiefen Stimme zu mir: ‚Na, mein kleiner Winnilein, wenn ich einmal ins Mikrofon rülpse, habe ich schon 100 Mark verdient.‘ Ich bekam damals 20 Pfennige Taschengeld die Woche und dachte, Rülpsen und Pupsen, das kann ich doch auch  … 

Und damit wollten Sie das Publikum überzeugen? 

Naja, das war eher ‚Schneider Hupf‘, meine erste Theaterrolle. Da meine Mutter den ganzen Tag als Fürsorgerin arbeitete, steckte sie mich in verschiedene Arbeitsgemeinschaften des Zentralhauses der Jungen Pioniere. So landete ich auch im Theaterzirkel. Bei der Premiere, zu der ich alle Mädchen meiner Klasse eingeladen hatte, klatschten sie kräftig Beifall und ich dachte: Schauspielerei ist doch ’ne tolle Sache, die Mädchen nehmen dich wahr und man kann Geld mit Rülpsen und Pupsen verdienen. Aber meine Mutter hat mich dann erst einmal auf den 2. Bildungsweg geschickt. Ich lernte Maschinenbauer und wurde Facharbeiter mit Abitur. Später habe ich an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Babelsberg acht Semester Schauspiel studiert. 

Noch einmal zurück zu „Paul und Paula“. Der Film hatte vor 50 Jahren Premiere. Können Sie sich den Kultstatus des Films erklären? 

Nicht jeder Film wird ein Erfolg. Bei „Paul und Paula“ hat das Schicksal uns geholfen. Es ist eine glaubwürdige Erzählung. Der Film berührte die Zuschauer. Übrigens nannten viele anschließend ihre Kinder Paul und Paula. 


Hier können Sie einen Filmtrailer von „Die Legende von Paul und Paula“ der DEFA-Stiftung sehen:

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Es ist eine romantische Legende. Sind Sie ein Romantiker? 

Ja, ich bin ein unverbesserlicher Romantiker.  

Sie haben einmal gesagt, „Liebe ist in unserem Leben was ganz Wichtiges“. Warum? 

In einer Liebesbeziehung ist man auf einmal Millionär an Gefühlen, allein durch die Gemeinsamkeit. Die Vertrautheit, die entsteht, und möglicherweise das Geheimnis jedes Einzelnen, sind der Schlüssel für eine lange Beziehung. 

„Wir lassen es dauern, solange es dauert“, hat Paula zu Paul gesagt. Das war sehr freiheitlich. Können Sie mit dieser Toleranz umgehen? 

Das war zu DDR-Zeiten fast ein Aufruf zur Revolution. Ich bin nicht nur mit meiner Frau verheiratet, sondern auch mit meinem Beruf. Dadurch weiß ich, dass jede Theater- und Filmarbeit einen Anfang und ein Ende hat und jede Liebe leider auch.

Wenn Sie Paula noch einmal treffen könnten – was würden Sie dieses Mal anders machen oder ihr sagen? 

Machen wir es so, wie du es willst. 

Foto: www.sir-richard-picture.de

2023 erhielt Winfried Glatzeder den “Premio Bacco 2023“ (Foto links). Der Uferweg an der Rummelsburger Bucht in Berlin-Friedrichshain (Foto rechts), wo eine Szene des Kultfilms gedreht wurde, heißt heute „Paul- und Paula-Ufer“. Dort gibt es auch eine gleichnamige Bank – oder das, was davon übrig ist – für Liebespaare, mit Blick auf die Bucht. Und es gab ein Straßenschild. Es wird erzählt, dass dieses Schild schon bis zu 60 Mal geklaut wurde.

Foto: Katrin Fiedler

Würden Sie mit dem Paul von damals tauschen wollen? 

Nein, auf keinen Fall. Es gibt keinen Jungbrunnen, in den man als alter, gebrechlicher Mann steigt… Spaß beiseite, ich glaube nicht an Märchen und schon gar nicht an Utopien.

Macht Ihnen Ihr Alter zu schaffen?

Der eigene Verfall des Körpers ist unaufhaltsam. Mein Lebensprinzip ist eher pessimistisch. Wenn etwas gut läuft, freue ich mich und sage: So schlimm war es ja doch nicht. Man muss das Leben besonders im Alter mit Humor nehmen. Dann kann man den Gedanken auch besser ertragen, irgendwann im Sarg zu liegen. Ich nutze jede Möglichkeit, die mir noch bleibt und genieße den Augenblick. 

Das Gespräch führten Katrin Fiedler und Anette Rietz. 

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

Zur Person:

  • Winfried Glatzeder wurde am 26. April 1945 in Zoppot/Danzig geboren und wuchs in Berlin auf.  
  • Nach seinem Schauspielstudium wurde er in der DDR schnell ein bekannter Darsteller und als „Belmondo des Ostens“ bezeichnet. 
  • Film- und Fernsehdarsteller, Regisseur und Schauspieler an Theatern wie etwa Ostberliner Volksbühne, Schillertheater Berlin, Düsseldorf Schauspielhaus, Theater am Kurfürsten Damm und Autor seiner Biografie.
  • Im Sommer 1982 wurde er auf eigenen Wunsch aus der DDR ausgebürgert und kam mit dem Kinofilm von Margarethe von Trotta „Rosa Luxemburg“ als Darsteller über die Mauer zurück in ostdeutsche Kinos.
  • Mit seiner Frau Marion ist er mehr als 50 Jahre verheiratet.  
  • Zu den Preisen, die Winfried Glatzeder erhielt, zählen unter anderem der 1997 vom WDR verliehene „Parlazzo Fernsehmythospreis „Paul und Paula“, die „Goldene Henne 2006“ und “Premio Bacco 2023“, der im Rahmen der italienischen Filmgala „Notte delle Stelle“ vergeben wurde. Gerade erhielt er nach seiner Buch-Lesung in Schmalkalden den „1. Südthüringer Nothnagel“ für seine besonderen Verdienste für Funk- und Fernsehen und auch Theaterbühne. 

Wissenswertes zum Buch:

  • „Paul und ich“ ist eine Autobiografie von Winfried Glatzeder. 
  • Gewidmet seiner Frau Marion, „der nach vierzig Jahren noch immer nicht der Geduldsfaden gerissen ist“ und seinen Söhnen Michael, Robert und Philip, erzählt das Buch die Geschichte eines Menschen mit vielen Brüchen. 
  • Der Wandel zwischen Ost und West, Einblick in den Alltag eines Kult-Schauspielers und Episoden rund um den Film „Die Legende von Paul und Paula“ nehmen den Leser mit in ein spannungsvolles Leben, was ab und an auch mit einem Augenzwinkern geschildert wird. 
  • Der Band ist im Aufbauverlag erschienen und für 16 Euro erhältlich. ISBN 978-3-7466-3504-0.
  • Er entstand mit Unterstützung der DEFA Stiftung und enthält auf den 238 Seiten 59 Abbildungen. 

Neugierig geworden? Wir verlosen 3 Exemplare.

Beantworten Sie uns bis 4. Mai Ihre Antwort auf die Frage

„In welcher Bucht in Berlin befindet sich das ‚Paul-und-Paula-Ufer‘?“

Schreiben Sie Ihre Antwort an [email protected], Stichwort: Paul.  

Alle Gewinner werden per Mail informiert. Viel Glück!

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