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Zwei Finger mit aufgemalten traurigen Gesichtern stellen symbolisch dar, wie sie einander unterstützen.
Füreinander da sein, auch wenn es Kraft kostet. Foto: StockAdobe/Victoria M

Wie geht Trösten eigentlich?

Deutschland – Ein tiefer Seufzer entfährt uns oft ganz spontan, ohne darüber nachzudenken. Manchmal liegt es gar nicht daran, dass es uns wirklich schlecht geht. Uns verlässt ein geräuschvolles Atmen, mit dem wir uns Luft machen. Was aber ist, wenn uns wirklich etwas belastet? Viele Menschen schämen sich, Kummer, Schmerz, Sehnsucht, Sorgen oder Enttäuschung verbal zum Ausdruck zu bringen. Oft steht aber ernsthafte Verzweiflung hinter einem kurzen „Ach…“. 

Aufeinander achten und Zuwendung schenken

Zuhören ist selbstverständlich, denken viele. Aber so ist es gar nicht. Gerade ältere Menschen denken oft, dass sich niemand für sie interessiert. Sie haben das Gefühl, immer dasselbe zu erzählen, da man weniger erlebt als früher. Die Angst, seine Mitmenschen zu langweilen oder zu nerven, trägt dazu bei, immer weniger nach außen zu kommunizieren. Dabei ist Kommunikation so wichtig für uns. Damit sind keine guten Ratschläge gemeint, sondern schon das einfache Zuhören ist ausschlaggebend. Das erfordert manchmal viel Geduld. Aber was kostet es uns, jemandem „ein offenes Ohr“ zu schenken? Gar nichts. 

Einfach da sein

Niemand sollte davon ausgehen, dass alle Menschen selbst die Gelegenheit ergreifen, ihre Bedürfnisse auszudrücken. Wir sind nicht alle gleich. Gefühle zu kommunizieren, erfordert Mut. Die einfache Frage „Wie geht es dir“ reicht oft nicht aus, um eine ehrliche Antwort zu erhalten. Mit weiteren Fragen zu alltäglichen Dingen kann es uns gelingen, den wahren Gemütszustand unserer Mitmenschen zu erkennen. Auch ein Seufzer kann ein Auslöser sein, um tiefgründiger nachzufragen. Trost zu spenden, erfordert keine klugen Worte. Da zu sein und zuzuhören, gibt als Geste bereits Halt und Erleichterung. Und fühlen wir uns nicht auch selbst besser, wenn wir wissen, dass wir unseren Lieben mit einem guten Wort des Trostes und der moralischen Unterstützung helfen konnten?

Aufmuntern kostet auch Kraft

Nicht immer muss es sich um schwere Schicksalsschläge handeln, damit Zuspruch wichtig wird. Oft geht es um rein moralische Unterstützung. 

Gerade das Alter verursacht vielen Senioren depressive Momente. Sätze wie „Früher habe ich ein super Gedächtnis gehabt“ oder „Das schaffe ich heutzutage nicht mehr allein“ sind ein deutliches Zeichen für den Wunsch nach Zuspruch und Aufmunterung. Für andere da zu sein, kann auch viel Kraft kosten. Daher sollte man für genügend Ausgleich sorgen und ebenso Ruhepausen einplanen. 

Gemeinsam ist man weniger allein

Schwierigkeiten verschwinden oftmals, wenn wir sie mit unseren Mitmenschen besprechen oder sogar gemeinsam meistern. Optimismus ist eine Grundvoraussetzung, um nicht zu verzweifeln. 

Wer sich nicht in sich kehrt, sondern nach außen öffnet, hat meist die Gelegenheit, Unterstützung zu finden. Hierfür sorgen zu guter Letzt Einrichtungen wie die Malteser Besuchsdienste, die Caritas oder kostenfreie telefonische Seelsorgestellen wie das Silbernetz, über das wir in unserem Beitrag „Einfach mal reden“ bereits berichteten. Sie sind auch für Menschen da, die keine Familie haben und zurückgezogen leben. 

Resilienz – Innere Stärke auch im hohen Alter erlernen

Bereits in der Kindheit wird der Grundstein für innere Stärke gelegt. Wenn wir liebevolle Unterstützung von unseren Bezugspersonen erfahren, erlernen wir Zuversicht, die unsere innere Wahrnehmung stärkt. Das führt dazu, dass wir Selbstsicherheit gewinnen, um schwierige Lebenssituationen zu meistern. Diese psychische Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit wird in der Forschung Resilienz genannt. Nicht jedem ist eine behütete Kindheit beschert worden.

Der Senat der 97 eigenständigen Forschungsinstitute der Leibniz-Gemeinschaft fördert aktuell, über den Zeitraum von vier Jahren, Forschungen des Institutsverbundes zum Thema „Resilient Ageing“. Bis zum Jahr 2025 arbeiten im Verbund 15 Leibniz-Institute unter der Sprecherschaft des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung (LIR) in Mainz und des Leibnizinstituts für Alternsforschung Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena zusammen an der Frage, wie Menschen bis ins hohe Alter gesund bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. 

Stärkung der Resilienz soll Gesundheit im Alter verbessern

Das Leibniz-Institut für Resilienzforschung ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut, in dem Neurobiologen, Physiker, Mediziner und Psychologen interdisziplinär das Phänomen der Resilienz erforschen, das heißt die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung psychischer Gesundheit während oder nach stressvollen Lebensereignissen. Seine zentralen Anliegen sind es, Resilienzmechanismen neurowissenschaftlich zu verstehen, Interventionen zur Förderung von Resilienz zu entwickeln und darauf hinzuwirken, Lebens- und Arbeitsumfelder so zu verändern, dass Resilienz gestärkt wird. Damit widmet sich das LIR einer der aktuell besonders drängenden gesellschaftlichen Fragen und stellt europaweit das erste Institut seiner Art dar.

Das Leibniz-Institut für Alternsforschung (FLI) widmet sich als erstes Forschungsinstitut in Deutschland bereits seit 2004 der biomedizinischen Alternsforschung. Das Altern ist ein multifaktorieller Prozess, der durch die Umwelt und genetische Faktoren beeinflusst wird. Die Forschung am FLI hat hingegen zum Ziel, die grundlegenden Mechanismen zu entschlüsseln, die zu Fehlfunktionen und Erkrankungen im Alter führen, um so eine Wissensbasis für die Entwicklung von Therapien bereitzustellen, die die Gesundheit im Alter verlängern können. 

Achtsamkeit kann man üben

Über seine Grenzen hinausgehen, andere Menschen trösten und selbst zulassen, um Hilfe zu bitten, das sind wichtige Schritte, um sich wohl zu fühlen und gesund zu bleiben. Zuwendung annehmen und schenken stärkt den Charakter und hebt die Stimmung. Achtsam umgehen mit sich und anderen ist also erlernbar. Wir müssen uns dafür schon jetzt Zeit nehmen. Und wann haben Sie zuletzt jemandem aktiv Ihre Zeit geschenkt?

Anette Rietz

SZ-Lebensbegleiter Tipp:

Jeder braucht mal Hilfe!

  • Die Telefonseelsorge bietet Beistand per Telefon und Chat unter Telefon: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 und im Internet telefonseelsorge.de.
  • Wenn Sie nicht wissen, wie Sie aus einer Depression herauskommen, dann wenden Sie sich an die Deutsche Depressionshilfe. Sie vermittelt Anlaufstellen für Ihre Krisensituation. Telefon: 0800 33 445 33.
  • Das Hilfetelefon Silbernetz für Menschen ab 60 ist unter der kostenlosen Rufnummer 0800 4 70 80 90 anonym zwischen 8 und 22 Uhr zum Reden für Sie da, freiwillige Senioren-Freunde und Freundinnen können sich für eine Aufnahme im Team bewerben (silbernetz.org).
  • Wer Nachbarschaftshilfe sucht, findet diese auf der Internetseite nebenan.de.
  • Speziell in Sachsen können Sie das Team Sachsen per E-Mail: [email protected] kontaktieren, wenn Sie Hilfe anbieten oder anfordern möchten.
  • Ansonsten gilt: Fragen Sie bei Ihrer Stadtverwaltung nach dem entsprechenden Angebot in Ihrem Ort, da viele Hilfsangebote privater Natur sind.

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