Seien Sie vorsichtig!

Ältere Frau sitzt am Computer.
Vorsicht bei fremden Absendern bei E-Mails. Sie könnten versuchen, an persönliche Daten oder Geld zu kommen. Foto: stock.adobe, Teodor Lazarev

Sachsen – Mitarbeiter der Telekom, Vertreter der Sparkasse, Internetberater – sie alle wollen an Ihr Geld. Nur leider sind es Lügner und ganz oft nicht dich „echten“ Vertreter eines Unternehmens.

Wie die Verbraucherzentrale Sachsen aktuell informiert, nehmen Fake-Anrufe im Namen der Sparkasse drastisch zu. Angebliche Bankmitarbeiter versuchen, an Ihre persönlichen Daten zu kommen. Abfischen nennt man das. Mit bösen Folgen.

Vorsicht bei Nachrichten von der Sparkasse

„Ob fingierte SMS, E-Mails oder Anrufe, derzeit werden Kunden gebeten, ihre Daten abzugleichen“, teilt die Verbraucherzentrale Sachsen mit und verweist auf einen aktuellen Fall einer Verbraucherin aus dem Erzgebirge. Die Geschichte wird so geschildert: „In einem Telefonat stellte sich der Anrufer als Mitarbeiter der Erzgebirgssparkasse vor. Das signalisierte ihr auch die angezeigte Rufnummer, die sie dem Service Center der Sparkasse zuordnen konnte. Der freundliche Mitarbeiter informierte sie über eine auffällige Buchung über 990 Euro und erkundigte sich, ob diese von der Verbraucherin autorisiert wurde. Da dem nicht so war, nahm sie das Angebot des Mitarbeiters zum Stoppen der Buchung gerne an und autorisierte den Vorgang mit der Push-TAN. Dieser Vorgang sollte dann noch einmal wiederholt werden, da er beim ersten Mal nicht „funktionierte“. Gleichzeit bekam Sie noch den Hinweis, dass jetzt das Online-Banking gesperrt wird und sie von der Sparkasse neue Zugangsdaten erhält. Auch solle sie sich an die zuständige Polizeidienststelle wenden.

Was dem freundlichen Telefonat folgte war die Ernüchterung, dass sie einem Betrüger zum Opfer gefallen war, der sie um 1.980 Euro erleichtert hatte, denn bei einem Rückruf bei der Sparkasse, wurde ihr das Gespräch nicht bestätigt, aber die Abbuchung von zwei Mal 990 Euro.“

Worauf sollte ich achten?

Niemals Daten herausgeben! „Werden Verbraucher gebeten Passwörter oder TANs am Telefon durchzugeben, ist das immer ein Hinweis auf Betrug“, sagt Simone Woldt, Leiterin der Verbraucherzentrale in Aue. Das Gespräch sollte sofort beendet, Mails niemals geöffnet oder beantwortet werden.

Anderer Fall, ähnliche Masche

„Aktuell rufen wieder die angeblichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Microsoft an, die wegen eines bestehenden PC-Problems ihre Dienstleistungen anbieten, um dann die Daten der Betroffenen auszuspähen und auszunutzen“, informiert Heike Teubner von der Verbraucherzentrale Auerbach. „Aus der täglichen Beratungspraxis sind solche betrügerischen Anrufe leider hinlänglich bekannt“, sagt Teubner. Seit Jahren tauche diese Masche, die als Support-Scam bekannt ist, immer wieder auf. Sowohl die Anrufer als auch die angezeigten Rufnummern wechseln ständig. Oft sprechen die Anrufer Englisch oder nur gebrochenes Deutsch. Während des Telefonates werde versucht den Verbrauchern einzureden, dass der private Computer von Viren befallen wäre. Unter Anleitung sollen bestimmte Schritte am Rechner ausgeführt werden, die dem Anrufer letztendlich ungehinderten Zugang zu den Daten des Opfers gestatten. Nicht selten ist nur Stunden später das Konto leergeräumt oder würde das digitale Endgerät für weitere Betrügereien genutzt.

Im Visier von Europol

Und noch eine miese Betrugsvariante: Verbraucherschützerin Kamila Kempfert staunte nicht schlecht, als sie auf ihrem privaten Telefon scheinbar von Europol in Den Haag angerufen wurde. Eine automatische Bandansage suggerierte ihr auf Englisch, dass ihre Identität für Straftaten im Ausland missbraucht wurde. Für weitere Informationen solle sie die Taste 1 auf dem Display wählen und werde dann mit einer Polizeidienststelle verbunden. Auch dabei geht es um Diebstahl von Identitäten und sensibler Daten. Selbst die örtliche Polizei wird ins Spiel gebracht, um mehr Glaubwürdigkeit zu erzielen. Deshalb warnen Polizeibehörden und auch die Bundesnetzagentur. Sie bitte, niemals bei telefonischer Anfrage Geld zu überweisen oder persönliche Details herauszugeben. „Am besten ist, einfach aufzulegen und nicht zurückrufen“, rät Kempfert. „Darüber hinaus sollte Anzeige bei der Polizei erstattet und eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingelegt werden.“

Der fiese „Tochtertrick“

„Hallo Mama, ich habe ein neues Handy. Bitte speichere die neue Nummer ab!“ – klingt erst einmal vertrauenswürdig. Aber auch das sind Betrugsversuche, die die Polizei Sachsen seit Februar vermehrt registriert. Hier wird auf eine besonders miese Art das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern ausgenutzt. Und so funktioniert’s laut Polizeibericht: „Bei diesem Enkeltrick in neuem Gewand soll der oder dem Angeschriebenen suggeriert werden, dass das vermeintliche eigene Kind (oftmals die Tochter, daher die umgangssprachliche Benennung als „Tochtertrick“) aufgrund eines verloren gegangenen oder kaputten Handys nun auch eine neue Nummer hat – die alte könne also gleich gelöscht werden. Mit dem neuen Handy lassen sich aber angeblich noch keine Überweisungen im Online-Banking tätigen, weshalb jetzt die Eltern um Hilfe gebeten werden. Das überwiesene Geld würde selbstverständlich sehr zügig zurückgezahlt.

Die Täter bitten dabei vornehmlich um Überweisungen per Blitz-, Sofort- oder Echtzeitüberweisung. Die Bankverbindung, an die die Überweisung getätigt werden soll, befindet sich häufig im europäischen Ausland. Wenn der Betrug dann im Nachhinein festgestellt wurde, ist es den Banken oftmals nicht mehr möglich, das Geld zurückzuholen.

Das empfiehlt die Polizei

Überweisen Sie kein Geld, ohne vorher mit dem betreffenden Angehörigen gesprochen zu haben. Betrüger werden in den meisten Fällen nicht ans Telefon gehen und Ausreden finden, warum ein Gespräch gerade nicht möglich ist.

Reden Sie mit Freunden und Verwandten über die Betrugsmasche.

Informieren Sie die Polizei, wenn Sie den Verdacht hegen, dass es sich nicht um Ihre echten Kinder oder Verwandten handelt. Den Kontakt zu ihrem zuständigen Revier finden Sie hier.

Zur Online Anzeigenerstattung kommen Sie mit diesem Link.

Was kann ich tun, wenn ich erst später den Betrug merke?

Computer – Haben Fremde bereits Zugriff auf den Computer, sollte das Gerät rasch vom Netz getrennt werden. Der Computer muss auf Schadsoftware überprüft werden. Microsoft bietet beispielsweise auch online Hilfe für Betroffene.

Bankkonto – Auch hier muss schnell gehandelt und das Konto sowie der Onlinezugriff müssen gesperrt werden. Dazu kann das Telefon 116 116 gewählt werden. Später sollte bei der Polizei Anzeige erstattet werden.

Absichern – Hausratversicherungen bieten neue Tarife oder Zusatzvereinbarungen zum „Internetschutz“. Diesbezüglich können auch bei der Verbraucherzentrale Beratungstermine gebucht werden.

Katrin Fiedler

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